UNSERE FISCHE

Unsere Fische
Fragt man einen „normalen“ Mitbürger, was ein Fisch sei, wo wird er einen überrascht ansehen und dann zur Antwort geben: … Ja, was eigentlich? Was würden Sie darauf antworten? Wasserbewohner? Stimmt nicht unbedingt, denn es gibt Fische, die die meiste Zeit ihres Lebens auf dem Land verbringen. Schuppenträger? Auch nicht allgemein. Denken Sie nur an die Welse und Aale. Aber Flossen haben sie! Doch die haben andere Tiere ebenfalls. Und dass neben den Fischen noch viele andere Tiere im Wasser leben, weiß jeder. So ganz einfach ist die Erklärung also doch nicht.
Die Wissenschaft unterscheidet grundsätzlich drei Gruppen, die der Laie als Fisch schlechthin bezeichnet. Da ist einmal die Gruppe der Kiefernlosen; das heißt, die Tiere haben keine Unterkiefer. Zu ihnen gehören z.B. die Neunaugen. Dann kommen die Kieferfische, die in zwei deutlich zu unterscheidende Gruppen unterteilt werden, nämlich in die Knorpelfische und in die Knochenfische und in die Knochenfische. Zu den Knorpelfischen zählen Haie und die Rochen, zu den Knochenfischen die übrigen Kieferfische. Gerade unter den Kieferfischen aber sind die Formen, Farben und Lebensgewohnheiten so unterschiedlich, dass es nicht möglich ist, alle Vertreter dieser Gruppe unter einen Hut zu bringen.
Was wir als Fische bezeichnen, zählt gemeinhin zu den Knochenfischen. Innerhalb dieser großen Klasse kennen wir auf der Erde etwa 200.000 Arten, von denen im europäischen Süß- und Brackwasser allerdings nur rund 200 Arten anzutreffen sind. Von diesen 200 Arten wiederum fällt ein großer Teil für uns als Sportfischer aus, weil die Tiere zu klein sind. Als Angelfische bleiben etwa 60 Arten übrig, von denen einige innerhalb Europas noch Unterarten bilden, die in manchen Angelbüchern als eigene Arten aufgeführt sind. Solche theoretisch-zoologischen Überlegungen sind für uns Angler natürlich sonderlich wichtig, aber wir sollten doch wenigstens einmal etwas davon gehört haben.
Ein deutsches Sprichwort sagt: Stumm wie ein Fisch im Wasser. Hier irrt der Volksmund! Vielmehr können manche Fischarten einen solchen Krach machen, dass während des zweiten Weltkrieges geschickt U-Boot-Kommandanten lauterzeugende Fischschwärme benutzten, um die Schraubengeräusche ihrer Boote zu übertönen. Die Sinnesleistungen der Fische sind recht überraschend. So mancher Angler hat schon auf das falsche Gerät oder die Beißlust der Fische geschimpft, wenn ein Tag ergebnislos vorüberging. Und doch kann es daran gelegen haben, dass er die Fähigkeiten seiner Beute unterschätzt hatte. Die Fische können ebenso sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken wie wir Menschen. Und sie haben noch einen weiteren Sinn, den Schwingungssinn in den Seitenlinien, der uns Anglern oft mehr schadet, als wir vermuten. Na schön, wird nun mancher sagen, mögen die Viecher auch alle diese Sinne haben, so besitzen sie doch keine Intelligenz, sondern verfügen nur über instinktive Verhaltensweisen. Wer so denkt, unterschätzt zu seinem eigenen Nachteil die Fische. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich bei verhaltensphysiologischen Untersuchungen auch an unseren einheimischen Fischen herausgestellt, dass sie sehr wohl lernen und auch behalten können, was sie gelernt haben, falls die Auffrischung ihres Gedächtnisses nicht in zu großen Zwischenräumen geschieht. Welche Forderungen wir aus diesen Tatsachen für die Angelei zu ziehen haben, wird uns klar werden, wenn wir die Leistungsfähigkeit der einzelnen Sinne besprechen. Wer einer Beute nachstellt, sollte immer wissen, über welche Möglichkeiten sie verfügt. Selbst die Fische sind „klüger“, als man gewöhnlich annimmt.
Das Fischauge ist anders gebaut als das menschliche Auge, wenn auch das Bauprinzip bei allen Wirbeltieren gleich ist. Den Unterschied sehen wir am besten am gekochten Fisch. Die runde, oft sehr große Linse ist steinhart. Sie sieht nach dem Kochen milchig aus, ist jedoch beim lebenden Fisch glasklar. Sehen Sie sich einmal einen frischgefangenen oder einen lebenden Fisch im Aquarium von oben an, und zwar so, dass Sie über das Auge flach hinweg sehen. Dann erkennen Sie sofort, dass sich der mittlere Teil des Auges hügelartig über den äußeren, undurchsichtigen Ring der Iris erhebt. Hier sitzt die kugelige Linse. Durch diese Anordnung hat der Fisch die Möglichkeit, fast rundum zu blicken. Wie groß das Gesichtsfeld eines Fisches jeweils ist, liegt an der Stellung der Augen am Körper und an der Stellung der Augen am Körper und an der Einlenkung der Augen zueinander. Der markanteste Unterschied zeigt sich zwischen einer Flunder und einem Weißfisch. Die Flunder hat die Augen auf einer Körperseite; mit der anderen liegt sie platt auf dem Bodengrund. Dadurch sieht sie beim Schwimmen zwar so ziemlich alles, was über ihr vor sich geht, aber nichts, was sich unter ihr befindet. Schwimmende Flundern sind also nur dann an den Haken zu bekommen, wenn der Köder über ihnen ist. Bei einem Weißfisch liegen die Augen an den Kopfseiten ziemlich flach an. Sie erheben sich bei den meisten Arten kaum über die Kopfoberfläche. Damit haben diese Fische ein weites Gesichtsfeld nach vorn, hinten, oben und unten. Sie können also nach beiden Seiten gleichzeitig sehen, weil ihre Augen seitlich angebracht sind. Jeder Köder kann wahrgenommen werden, ganz gleich, wo er sich befindet. Da die meisten Weißfische Schwarmfische sind, die sich in kleineren oder größeren Gruppen zusammenhalten, und außerdem lebhafte Schwimmer, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Köder einem der Schwarmangehörigen auffällt, sehr groß.
Immer wieder wird in der Angelliteratur behauptet, Fische seien kurzsichtig. Nach den neuesten Untersuchungen stimmt das keineswegs. Eher kann man sie als weitsichtig bezeichnen. Das hängt von der Form und der Anzahl der Sehzellen in der Netzhaut ab. Im nach vorn gerichteten Gesichtsfeld werden die deutlichsten, schärfsten Wahrnehmungen gemacht, während seitlich einfallende Bilder der Umgebung undeutlich sind. Das leuchtet ein, denn das Maul ist nach vorn gerichtet, und deshalb müssen Beutetiere, aber auch Hindernisse und Feinde am deutlichsten wahrgenommen werden können, während der seitliche Bildausschnitt vor allem Bewegungen an das Gehirn melden soll, wobei zunächst nicht sonderlich wichtig ist, von wem die Bewegung ausgeht. Erst richtet sich der Fisch mit dem Körper auf die Bewegung aus, dann nimmt er genau die Ursache wahr. Man kann diese Verhaltensweise der Fische in jedem Gewässer beobachten, zum Beispiel dann, wenn ein Köder am Fisch seitlich vorbeitreibt.
Raubfische weisen oft eine besondere Augenstellung auf. Bei ihnen (beispielsweise bei unserem heimischen Hecht) sind die Augen stärker nach vorn gerichtet. So überschneiden sich die Gesichtsfelder beider Augen in einem je nach Augenstellung größeren oder kleineren Winkel. Dadurch haben diese Fische vor dem Körper ein Blickfeld, in dem sie wie der Mensch binokular sehen, also echte räumliche Eindrücke haben und Entfernungen abschätzen können. Hechte sehen in klarem Wasser etwa 15 Meter weit und schießen auf die Beute los, die sich in etwa 8 Metern Entfernung vor ihnen bewegt. Es gibt aber Raubfische, die seitliche Einlenkungen der Augen besitzen; diese Fische jedoch leben im Schwarm oder halten sich fast immer in größeren Gruppen auf. Dadurch gleichen sie den Mangel an ausgeprägt räumlicher Sehfähigkeit teilweise aus, denn für den Angehörigen eines jagenden Schwarmes braucht die Beute nur im richtigen Winkel zu schwimmen. Dass Fische Farben sehen und nicht nur Grautöne, ist erwiesen. So erklären sich auch die oft recht rätselhaften Reaktionen auf besonders gefärbte Köder. Zu manchen Zeiten bevorzugen zum Beispiel Döbel oder Forellen Rottöne. Dabei ist es zur Kirschenzeit beim Döbel mitunter wichtig, dass man nicht irgendwelche Kirschen nimmt, sondern sich in der Farbe nach den Kirschen richtet, die am Döbelgewässer wachsen. Eingemachte Kirschen sind übrigens nur in den seltensten Fällen zum Ködern geeignet.
Unklarheit herrscht auch vielfach über die Fähigkeit der Fische, während der Dämmerung und bei Dunkelheit zu sehen. Im Wirbeltierauge hängt diese Fähigkeit davon ab, in welcher Anzahl Zäpfchen und Stäbchen vorhanden sind. Die Stäbchen sind für Hell und Dunkel zuständig, die Zäpfchen für die Farben. Sehr große Augen finden sich meist bei Fischarten, die in der Dämmerung oder Dunkelheit aktiv werden. Normal große Augen sind bei am Tag munteren Fischen die Regel. Ganz kleine Augen weisen nun aber nicht darauf hin, dass der betreffende Fisch nur bei hellstem Tageslicht munter ist; mit ihnen hat es eine besondere Bewandtnis. Wenn ein Fisch im Verhältnis zur gesamten Körpergröße auffallend kleine Augen besitzt, kann man gewiss sein, dass er über zusätzliche, vergrößerte Sinnesorgane verfügt. So kann der Geruchssinn geradezu unvorstellbar entwickelt sein, wie zum Beispiel beim Aal, oder auch der Geschmackssinn, was man daran erkennt, dass die Fische Barteln besitzen. In den Tropen kommen die elektrischen Fische mit ihrem „Ortungs“-System dazu.
Wie gut Fische sehen können, sei hier an einem Beispiel erläutert. Bei einem Versuch wurden einem Hecht kleine Beutefische vorgesetzt, die alle von der gleichen Art und für das Menschenauge kaum oder gar nicht zu unterscheiden waren. Ein Exemplar jedoch steckte in einer Glasröhre und war für den Hecht unerreichbar. Jedesmal wenn er zuschnappte, biss er auf Glas. Nach einiger Zeit wurde dem Hecht wieder einmal Beute vorgesetzt, aber diesmal kam der vorher im Glas sitzende Fisch in den freien Schwarm. Der Räuber fraß alle bis auf einen, der seiner Erfahrung nach nicht zu packen war!
Dennoch ist ein Fisch nicht völlig hilflos, wenn sein Gesichtssinn ausfällt. Ihm stehen noch andere Möglichkeiten zur Verfügung, sein Leben wenigstens zu fristen. Fische besitzen ein Gehör, auch wenn dieses nicht durch äußere Muscheln oder Öffnungen angezeigt wird. Der innere Aufbau ähnelt aber durchaus dem der Wirbeltierohren. Wie beim Menschen dienen die Ohren nicht nur zum Hören, sondern beherbergen auch den Gleichgewichtssinn. Zerstört man das Innenohr eines Fisches, dann torkelt er im Wasser herum, dreht sich mit dem Bauch nach oben usw. Durch das Ohr werden also die Körperbewegungen koordiniert. Aber selbst mit gesunden Ohren kann ein Fisch im aufgewühlten Wasser um die eigene Achse rollen, weil ihm das Gefühl für die Schwerkraft abhandenkommt. Im Zusammenspiel mit den Augen richtet er sich aber immer wieder auf, weil ihm unter diesen anomalen Umständen sein Gesichtssinn verrät, dass er falsch schwimmt.
Die Hörfähigkeit der Fische mag unterschiedlich sein. Sie können jedoch Töne deutlich voneinander unterscheiden und reagieren, wie die berühmten Versuche von Professor Herter ergeben haben, selbst auf Unterschiede wie den verschiedenen Lautklang der Namen Adam und Eva. Auch auf Pfiffe oder Glocken kann man sie dressieren, wie es sich in den bekannten „Fischzirkussen“ gezeigt hat. Alles in allem ist freilich über das Gehör der Fische noch sehr wenig bekannt. Für den Angler bedeutet es jedenfalls, dass er bei manchen Gelegenheiten scharfe und von den umgebenden Geräuschen abweichende Töne vermeiden sollte. Vielleicht haben Sie schon einmal gelacht, wenn erfahrene, versunken da sitzende Angler recht ungemütlich wurden, weil sich jemand neben sie stellte und zu schwatzen begann. Diese Sportfreunde haben recht: Man sollte sich am Wasser still verhalten, wie man das ja auch bei der Pirsch auf vierbeiniges Wild tut. Natürlich ist die Sache anders, wenn man an stark tosenden Gewässern angelt. Der Lärm unter Wasser dürfte so ziemlich alle Geräusche von außerhalb übertönen.
Dass man sich am Wasser nicht wie ein Elefant im Porzellanladen bewegen soll, hat freilich zumeist einen anderen Grund, der weniger mit dem Gehör der Fische zusammenhängt als mit ihrem Erschütterungssinn. Wasser leitet Schallwellen ausgezeichnet. Wer es nicht glaubt, halte einmal bei einem fernen Gewitter den Kopf unter Wasser. Dann vernimmt er wenig später das Donnergrollen zum zweitenmal. Verstehen Sie nun, warum manche Fische Sie schon hören, bevor sie von Ihnen gesehen werden können?
Der Erschütterungssinn der Seitenlinienorgane ist eine einfache und doch raffinierte Einrichtung, die es den Fischen ermöglicht, Wasserströmungen wahrzunehmen und zu deuten, die in ihrer Umgebung, aber auch in weiter Entfernung bei sonst ruhigen Gewässer auftreten. Diese Linien verlaufen am Fisch entlang der Seiten. Sie befinden sich nicht immer in der Körpermitte und ziehen sich auch nicht stets vom Kopf bis zum Schwanz. Manche Linien enden bereits nach wenigen Schuppen. Die Seitenlinie ist das, was so aussieht, als habe jemand mit einer Nadel Löcher in die schuppen gebohrt. Gehen wir am Ufer mit lauten Schritten umher, dann übertragen sich die Erschütterungen des Bodens auf das Wasser und weiter auf die Seitenlinienorgane. Ist das Geräusch sehr auffallend, dann bedeutet das für die Fische höchste Alarmstufe, und blitzschnell verschwinden sie in Verstecken oder tieferen Wasserbezirken. Wenn man sich anschließend ruhig verhält, kommen die Fische, die hier ihr Revier haben, nach einiger Zeit wieder zum Vorschein, bleiben aber zunächst doch recht flüchtig, wenn man sich erneut ungestüm bewegt. Freilich können Fische auch in dieser Hinsicht lernen. In manchen Kurorten ziehen mitten durch die Stadt klare Forellenbäche, um die ringsum munteres Treiben herrscht. Hier sind die Fische so an Erschütterungen gewöhnt, dass kein Fußgänger sie stört. Man könnte sie sozusagen streicheln. An dieser Gewöhnung sind natürlich Auge und Ohr ebenfalls beteiligt.
Wie sich das Zusammenspiel zwischen Auge, Ohr und Seitenlinienorganen auswirkt, zeigt sehr schön das Wanderverhalten des Lachses, der in Mitteleuropa leider zu den Seltenheiten gehört. Auf seinen Wanderungen muss der Lachs mit den verschiedensten Strömungen ausweichen usw. Der Druck, den eine starke Wasserströmung auf die am Kopf liegenden Erschütterungsorgane ausübt, wird wahrgenommen, vielleicht vom Ohr, aber das ist noch nicht sicher. Der Lachs weicht jedenfalls gewandt der stärksten Strömung aus, wenn ihm das möglich ist, und zieht bei turbulenter Wasseroberfläche dicht über dem Bodengrund. Er sucht Vertiefungen auf und nutzt geschickt jede Deckung aus. Man könnte einwenden, dass der Fisch all das ja auch mit Hilfe seiner Augen machen könne, aber der Lachs wandert nicht nur tagsüber, sondern auch nachts. Wie empfindlich die Seitenlinienorgane, die übrigens nicht nur auf die Körperseiten beschränkt sind, arbeiten, wird deutlich, wenn man sieht, wie Raubfische plötzlich munter werden, sobald sie einen vom üblichen Rhythmus abweichend schwimmenden Fisch erkennen, selbst wenn das Wasser so trübe ist, dass sie den kranken oder sonst wie geschädigten Fisch nicht sehen, sondern nur spüren können. Die wohl berühmtesten Beispiele kennen wir von Haien, die sich bei solchen Gelegenheiten sogar aus Entfernungen einfinden, die so große sind, dass weder Gesichts- noch Geruchssinn Hilfe bedeuten.
Ganz allgemein ist die Ansicht vertreten, dass ein Fisch unter Wasser nicht riechen kann. Wollte ein Mensch das versuchen, so hätte er schnell im wahrsten Sinn des Wortes die Nase voll. Fische jedoch sind sehr wohl imstande, unter Wasser zu riechen. Natürlich ist ihre Nase anders gebaut als unsere, denn sie muss dem Wasserleben angepasst sein. Wir sehen bei den meisten Fischen zwei Nasenöffnungen auf dem Vorderkopf zwischen Maul und Augen. Jede Nase hat eine vordere und hintere Öffnung, und zwischen diesen steht im allgemeinen eine große Schuppe fast senkrecht hoch. Dadurch wird Wasser kurz angestaut und in die vordere Nasenöffnung gedrückt. Dann fließt es über ein Riechgewebe und strömt hinter der Schuppe wieder aus. Von dieser Konstruktion gibt es etliche Varianten. Die im Wasser fein verteilten Duftstoffe gelangen so in den Wahrnehmungsbereich der Fische.
Versuche haben gezeigt, dass die Fische ausgezeichnet riechen können. Verstopft man einem Hai eine Nasenöffnung mit undurchlässigem Stoff, dann legt er sich im Wasser so, dass er mit der freien Öffnung riechen kann.
Unsere Aale sind die „Riechkünstler“ unter den Süßwasserfischen, denn sie nehmen Duftstoffe noch wahr, wenn davon nur einige wenige Moleküle in die Nase gelangen. Man kann das beobachten, wenn Aale bei der Futtersuche sind. Selbst wenn das Wasser völlig undurchsichtig und die Beute tot ist, sind sie noch in der Lage, auf schnellstem Wege zu einer verborgenen Futterquelle zu gelangen. Solche Riechfähigkeiten finden wir vor allem bei nächtlich aktiven Fischen, wie es die Aale oder aalartigen Muränen sind. Anatomische Untersuchungen des Gehirns zeigen sofort, ob ein Fisch gut riechen kann oder nicht, denn Voraussetzung für gute Riechleistungen sind große Riechlappen im Gehirn. Beim Aal ist der Geruchssinn so hoch entwickelt, dass er sogar Wasser zu riechen vermag. Wir alle kennen ja die Gewohnheit des Aales, beim Herannahen der Geschlechtsreife aus unseren Gewässern abzuwandern und im Meer auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Dabei nimmt der Aal seinen Weg auch über Land, wenn stehende Gewässer keine direkten Verbindungen durch Abflüsse haben, und findet nur mit Hilfe seiner Nase den nächsten See oder Fluss. So erklärt sich übrigens die Fabel, der Aal fresse Erbsen und Bohnen: Man hat ihn auf seiner Wanderung auch in Erbsen- und Bohnenfeldern gefunden. Zu ködern ist er freilich mit solchen Feldfrüchten nicht.
Will man etwas mehr über diese Fähigkeit, Wasser zu riechen, erfahren, so kann man zu Hause einem noch lebenden, frisch gefangenen Aal folgenden Versuch machen: Man lege ihn auf den Tisch und halte irgendwo unterhalb der Tischkante eine Schüssel mit Wasser. Der Aal wird sofort zu diesem Minitümpel finden.
Erstaunlich ist auch die Leistung der Lachse. Sie wandern – wie bekannt – bei Eintritt der Geschlechtsreife in die Süßgewässer ein und ziehen bis in die Forellenregion, in der sie dann ablaichen. Natürlich hat dieses Phänomen die Wissenschaftler beschäftigt, denn sie wollten wissen, wie der Lachs das macht. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Lachse immer in ihre Geburtsgewässer zurückkehren und diese finden sie mit Hilfe ihrer Nase. Sie riechen also den spezifischen Geruch ihrer Heimat. Ein in den Pyrenäen geborener Lachs wandert selbst nach Jahren nicht in Schweden oder Schottland ein, sonders zieht in die Pyrenäen. Doch nicht nur das. Er wandert zielstrebig in den Fluss zurück, aus dem er einstmals als Jungfisch ins Meer gelangte. Dabei lässt der Fisch sich nicht von Nebenflüssen, Kanälen usw. ablenken. Woher man weiß, dass er sich dabei nur nach seiner Nase richtet? Ganz einfach. Man braucht einem Lachs nur die Nase zu verkleben, damit er nichts mehr riecht – dann findet er auch nicht mehr in seine Heimat!
Wie empfindlich manche Fische auf fremde Gerüche reagieren, ist beispielsweise daran zu erkennen, dass man den Kisutsch-Lachs davon abhalten kann, die Fischtreppe zu überwinden, wenn man sich im oberen Teil der Leiter im Wasser die Hände wäscht. Dieser Geruch ist für die Lachse abstoßend. Dagegen machen ihnen Urin oder Tomatensaft gar nicht aus (?).
Aber viele Fische haben noch andere Fähigkeiten. Sie können nämlich ihre eigenen Artgenossen riechen. Offenbar haben Fische einen arteigenen Geruch, der anderen Artgenossen Signale gibt. Am bekanntesten sind die Schreckstoffe, die von manchen Karpfenfischen, vielleicht auch von allen, an das Wasser abgegeben werden, wenn einer der Fische verletzt ist. Nehmen die übrigen Schwarmfische diesen Geruch wahr, dann stieben sie sofort in wilder Flucht auseinander, finden sich aber wieder zusammen, wenn an ihrem bevorzugten Aufenthaltsort der Geruch sich verloren hat. Wegen dieser Schreckstoffe müssen wir uns stets bemühen, beim Angeln ein aus einem Schwarm gefangenes Exemplar sofort und möglichst unverletzt herauszubekommen. Sitzt der Haken zu tief oder ist die Haut zerrissen, werden die Schreckstoffe frei, und schon sind die übrigen Fische verschwunden. Unter Umständen können wir dann unsere Haken auswerfen so oft wir wollen – kein Fisch der bereits gefangenen Art lässt sich vorläufig mehr blicken. In einem solchen Fall ist es besser, den Standort zu wechseln.
Noch ungeschickter verhält sich, wer den Fisch gleich ausnimmt und sich anschließend in einem stehenden Gewässer die Hände abspült: Dann nämlich sind die Schreckstoffe in schöner Konzentration im Wasser. Es ist nicht verwunderlich, dass sich daraufhin in unmittelbarer Nähe kein Fisch mehr sehen lässt. Ähnliche Fehler machen wir mit der Lebendhälterung bereits gefangener Fische in einem Setzkescher. Verletzte Fische können das umgebende Wasser weitgehend mit Schreckstoffen verseuchen. Deshalb hängt man den Setzkescher immer in einiger Entfernung vom eigentlichen Fangplatz ins Wasser. Allerdings, und das muss betont werden, sind Schreckstoffe bisher nur bei Karpfenfischen nachgewiesen. Wie es bei anderen Fischgruppen damit steht, ist noch nicht sicher.
Wir haben eben von der Riechfähigkeit der Fische gehört. Nun wird es wohl klar geworden sein, warum manche Arten auf ausgesprochen stinkende Köder gehen, andere aber einen Köder schon dann meiden, wenn man ihn zum Beispiel mit nikotingelben Fingern angefasst hat. Mancher Angler hat durch Fehler, die ihm gar nicht bewusst geworden sind, die besten Fische nicht an den Haken bekommen, weil er den Geruchssinn der Tiere durch irgendetwas beleidigte.
Ähnlich entwickelt sind die Geschmacksknospen der Fische. Sicher weiß jeder, dass Fische ihren Köder mitunter zunächst prüfen und daran „herumnuppeln“. Außerdem nehmen sie nicht an allen Tagen denselben Köder an, sondern suchen die Abwechslung. Berühmt in dieser Hinsicht sind die Karpfen.
Viele Menschen glauben, der Fisch habe seinen Geschmackssinn nur im Maul. Das stimmt nicht. Bei zahlreichen Karpfenfischen zum Beispiel sind die Geschmackszellen über die ganze Körperfläche verteilt. Solche Arten können also die Schmackhaftigkeit eines Beutetieres prüfen, indem sie es nur mit dem Schwanz oder den Körperseiten berühren. Wissen Sie jetzt, warum manche Fische den Köder nicht einmal mit dem Maul berührt haben, sondern nur an ihm entlang geschwommen sind und trotzdem Köder und Haken nicht fassten? Der Geschmack der Fische ändert sich zudem oft mit den Jahreszeiten. Zu den berüchtigtsten Beispielen für diese Tatsache gehört wohl der Döbel.
Freilich prüft der Fisch nicht jeden Köder auf seinen Geschmack hin. Wenn er gemerkt hat, dass ein Köder von bestimmter Beschaffenheit gut schmeckt, dann nimmt er ihn auch ohne Prüfung. Der Fisch hat gelernt, mit den Augen den Köder sofort zu erkennen. Auf dieser Erfahrung beruht die vortreffliche Methode des Anfütterns von Fischen. Man gibt an den ausgewählten Fangplätzen bereits einige Tage zuvor kleinere Mengen des beabsichtigten Ködermaterials ins Wasser. Die Fische prüfen es, und bei Wohlgeschmack wird es akzeptiert. Kommt man nun am Fangtage wieder zu der Stelle, kann man gewiss sein, mit diesem Köder Erfolg zu haben, wenn man nicht den Fehler gemacht hat, die Fische so zu sättigen, dass sie überhaupt keinen Hunger mehr haben. Appetit macht man mit Kostproben! Übrigens ist diese Methode auch gut geeignet, um die Geschmacksrichtung der an einer bestimmten Stelle versammelten Fische festzustellen. Natürlich muss man dazu die Fische sehen können, das Wasser muss also einigermaßen klar und durchsichtig sein. Günstig ist auch, dass man durch das Füttern die Fische an einen bestimmten Platz gewöhnen kann, denn sie lernen schnell, wo es etwas zu fressen gibt. Wer außerdem nur wenig Zeit auf den Fang verwenden will, kann sich eine ihm genehme Tageszeit aussuchen (die allerdings nicht in krassem Widerspruch zur Aktivität der Fische stehen darf) und wird nach einiger Zeit seine geschuppten Freunde versammelt finden.
Eine zusätzliche Geschmackseinrichtung sind die Bartfäden (Barteln) am Kopf der Fische. In ihnen sitzen zahlreiche Geschmacksknospen. So haben die Bartelträger die Möglichkeit, selbst bei Dunkelheit oder bei völlig undurchsichtigem Wasser noch Beute zu machen, denn sie reagieren sofort, wenn etwas Fressbares gegen ihre Barteln kommt. Je länger die Barteln sind, desto größer ist auch der Umkreis, den die Fische mit ihnen absuchen können. Man denke nur einmal an die langen Bartfäden der Welse. Trifft ein Beutefisch auf eine Bartel, dann reagiert der Besitzer sehr schnell und schnappt zu.
Nach unten hängende Barteln, wie man sie etwa bei der Barbe oder am Unterkiefer der Welse findet, dienen in der Regel dazu, die im Mulm oder weichen Bodengrund verborgene Nahrung auszuspüren. Wer Barben fangen möchte, kann – vorausgesetzt, der Standplatz ist einzusehen und der Lauf von Schnur und Köder zu verfolgen – den Fischen den Köder so vor das Maul praktizieren, dass die Fische ihn mit ihren Barteln berühren. Oft springen die Fische dann förmlich auf die Beute und hängen fest.
Fische besitzen auch Gefühlsnerven, deren Endungen über den ganzen Körper verteilt sind. Das Gefühl setzen sie dann ein, wenn sie mit geradezu unwahrscheinlicher Geschwindigkeit in Höhlen oder zwischen Klippen verschwinden, um sich vor Gefahren in Sicherheit zu bringen. Jeder Angler kann diese Bewegungsweise bei Forellen sehen, wenn sie wie kopflos davonschießen und unter Umständen verschwinden. Und doch beschädigen sich die Tiere dabei nicht.
Auch während des Laichens nutzen sie den Gefühlssinn, damit sich die Partner eng aneinanderschmiegen können, um so eine möglichst sichere Befruchtung der Eier zu erreichen. Auch bei der Tarnung ist einzeln jagenden Raubfischen der Gefühlssinn von Nutzen. Haben Sie schon einmal einen Hecht beobachtet, der sich unter einem Baumstamm oder zwischen im Wasser stehenden Wurzeln verbirgt? Er schmiegt sich meist eng an die Tarnung und verfolgt von hier aus seine Beute, aber auch Bewegungen in der Umgebung, die ihm nicht ganz geheuer vorkommen. Dabei ist ein interessantes Farbspiel zu beobachten: Die Färbung des Hintergrundes wird auf jener Körperseite stärker nachgeahmt, die dem Hintergrund abgewendet ist. Damit haben wir auch eine Erklärung, warum man bei vorsichtigem Vorgehen Forellen mit der Hand oder Hechte während der Laichzeit mit einer Schlinge fangen kann. Dass beide Methoden einem echten Sportangler ein Graus sind, steht auf einem anderen Blatt. Die Tiere sind Berührungen mit der Umwelt gewohnt und finden nichts dabei. Andere Fische hingegen lassen solche Vertraulichkeiten nicht zu. Sie bewohnen meist die freien Wasserbezirke und flüchten bei Gefahr nicht in Unterstände, sondern ins freie Wasser.
In unseren europäischen Gewässern gibt es Fische, die Laute erzeugen. Sie gehören meist in die große Fischordnung der „Ostariophysi“ ( ein genauer deutscher Name ist nicht bekannt). Zu ihnen zählt der Fischwissenschaftler die Karpfenfische, die Schmerlen, die Welse und noch einige andere Gruppen, die aber bei uns nicht vorkommen. Sie können mit Hilfe ihrer Schwimmblase, also mit Luft, Geräusche erzeugen, die sich etwa wie das Piepsen einer Maus anhören oder auch wie das Knurren eines Hundes. Über den Sinn und Zweck dieser Töne wissen wir fast nichts. Bekannt ist lediglich, dass einige tropische Arten und ein paar Meeresfische solche Laute während der Laichzeit oder bei Kämpfen von sich geben. Da Fische gut hören können, ist es nicht verwunderlich, dass sie auch Töne erzeugen. Laute erzeugen können die Fische auch mit ihren Schlundzähnen. Reiben sie diese aneinander, so entstehen krächzende, kratzende Laute, die man unter Umständen noch in einiger Entfernung hören kann. Selbst unser so behäbiger Karpfen ist nicht stumm, sondern kann sich durchaus bemerkbar machen.
Zu den interessantesten Erscheinungen bei den Fischen gehören die Färbungen, die meist von der Umgebung abhängen. Ganz allgemein kann man sagen, dass Schwarmfische mit friedlicher Natur auffällige Farben oder glänzende Körperpartien besitzen, während die Räuber Tarnfarben zeigen, um sich möglichst unsichtbar zu machen. Allerdings gibt es auch Raubfische mit auffälliger Färbung. Dazu gehört der Flussbarsch. Dieser jagt jedoch in der Regel nicht als Einzelgänger, sondern im Schwarm. Jagende Barsche treiben nicht selten die Verfolgten über den Wasserspiegel hinaus, so dass in einem bestimmten Umkreis Plötzen und Ukeleis jählings aus dem Wasser schnellen können und mit leichtem Klatschen und Aufblitzen wieder zurückfallen. Wer im Schwarm jagt und in wenigstens lockeren Verbänden zusammenlebt, muss sich wieder zusammenfinden, wenn der Schwarm auseinandergeraten ist. Dazu benutzen die Fische ihre Körperfarben. Sie bedeuten also Signale, die jeder Angehörige der Art versteht und kennt.
Nun könnte man der Meinung sein, dass die auffälligen Farben der Fische imstande sind, einen Feind anzulocken oder eine Beute zu vertreiben. Das ist jedoch nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen der Fall. Auf dem Rücken sind die Fische dunkler gefärbt, an den Seiten heller und am Bauch am hellsten. Man nennt diese Erscheinung Gegenschattierung. Blickt man von oben in ein Gewässer, dann hebt sich der Rücken vom dunklen Bodengrund kaum ab. Dagegen entsprechen die helleren Seiten und der Bauch durch die Lichtreflexionen von schräg unten in der Färbung etwa den Lichtreflexionen der Wasseroberfläche. Schaut man von unten gegen die Wasseroberfläche auf einen Fisch, so erscheint er als dunkler Schatten, der sich aber immer wieder mit den Wellenbewegungen vereint, so dass er nicht so leicht auszumachen ist, wie man annehmen möchte.
Einzeln jagende Raubfische tarnen sich oft sehr geschickt, indem sie sich der Umgebung noch stärker anpassen und auch ihr Verhalten danach ausrichten. Ein Hecht zum Beispiel oder auch ein Zander besitzt eine unregelmäßige dunklere Zeichnung auf einem variabel gefärbten Rücken. Je nach Untergrund und Umgebung verändert sich sein Aussehen. Er passt sich an und hat so eine ausgezeichnete Möglichkeit, in seiner Umwelt zu verschwinden, sich sozusagen in Nichts aufzulösen. Das geht so weit, dass seine beiden Körperseiten unterschiedliche Farbstufungen zeigen können. Die dem Wasser zugekehrte Seite, also die im Wasser abgewendete, ist heller. Wahre Meister der Anpassung sind Plattfische. Scholle oder Flunder zum Beispiel können noch erstaunlichere Färbungsveränderungen durchlaufen. Man nennt sie nicht zu Unrecht die Chamäleons unter den Fischen.
Die Körperfarben der Fische sind oft auch ihre Vorzugsfarben. Das kann unter Umständen wichtig sein, die auf Weißfische mit ihren silber blitzenden Körpern Jagd machen, bevorzugen in den meisten Gewässern silberne Blinker oder Löffel, dagegen hat man bei Forellen oft mit Rottönen mehr Erfolg. Wenn ein Fisch im Laufe des Jahres einen Farb- oder Geschmackswechsel durchmacht, wie das etwa beim Döbel der Fall ist, dann sollte man sich nicht ärgern, wenn man einen roten Köder anbietet und der Fisch nicht beißt. Die Kirschzeit ist längst vorbei, und nun sind grüne Köder, zum Beispiel Heuschrecken, viel geeigneter. Das ändert sich allerdings auch von Gewässer zu Gewässer.
Kurz sei noch auf eine farbenprächtige Erscheinung hingewiesen – das Hochzeitskleid vieler Fische. Zur Laichzeit tragen zahlreiche Arten ein schmuckes Kleid, das anzeigt: Wir sind jetzt in der Balz und Paarung. Ist ein Gewässer arm an Saiblingen und man fängt die nun prächtigen Fische, dann sollte man sein Jagdfieber vergessen und den gehakten Fisch schnell wieder zurücksetzen, denn vielleicht haben Sie gerade mit diesem Fang ein Gelege zerstört, und der Nachwuchs für noch manchen erfolgreichen Angeltag ist vernichtet. In der Laichzeit soll man also grundsätzlich nur solche Arten erbeuten, deren Bestand den von anderen Arten bedrohen würde, wie das oft bei der Groppe oder der Quappe der Fall ist. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Fische in Laichfärbung von ihren Artgenossen, aber zum Teil auch von anderen Arten respektiert werden, besonders dann, wenn es sich um brutpflegende Arten handelt, wie das Forellen, die Stichlinge usw. sind. Diese Fische legen nur eine begrenzte Eizahl ab oder laichen in Gebieten, in denen die Ausfälle unter der Jungbrut gewaltig sind. Theoretisch genügt es für die Erhaltung der Art, wenn nur ein einziges Pärchen sich bis zur Geschlechtsreife durchschlägt. Aber uns Angler genügt das natürlich nicht. Wir wollen ja die überzähligen Fische auf den Tisch des Hauses bringen. Damit freilich ist uns auch eine schwere Verantwortung auferlegt: die Hege der Fische in den Gewässern. Es gibt natürlich auch Schonzeiten, aber das allein genügt nicht. Wenn also sogar die Fische während der Laichzeit sich gegenseitig respektieren, sollten auch wir Menschen Rücksicht zeigen.
Der räuberische Hecht ist in seinen Bewegungen äußerst sparsam, vor allem, wenn er sich langsam stocksteif einem vermeintlichen Beutetier nähert; die Schwarmfische hingegen verhalten sich mit ihrer rastlosen, unruhigen Schwimmerei vergleichsweise sehr auffällig. Dennoch hat auch dieser Schwarmzusammenhalt einen biologischen Sinn. Für jedes einzelne Tier wird die Chance, einem Überfall zu entgehen, umso größer, je größer der Schwarm ist. Deshalb halten sie sich instinktiv zusammen. Wenn aber ein Angehöriger des Schwarms krank ist, schert er aus dem Schwarmverband aus oder wird vertrieben. Ein krankes Tier benimmt sich „falsch“, bewegt sich also gegenüber seinen Artgenossen auffällig. Das außerdem oft die Körperkräfte schwinden und die Reaktionen nicht mehr so exakt ablaufen, wird der Räuber schnell aufmerksam. Er orientiert sich nach dem kranken Fisch und ergreift ihn, weil er eine verhältnismäßig leichte Beute ist. Im Vernichten kranken Lebens liegt eine der biologischen Aufgaben von Raubfischen.
Wenn wir einen Spinner oder Blinker durch ein Wasser führen, in dem Raubfische leben, dann „benimmt“ sich der Köder natürlich völlig „falsch“. Beim seitlichen Vorbeiführen kann der Räuber kaum erkennen, um was es sich handelt, doch stellt das Aufblitzen des Köders in seinem Gedächtnis die Verbindung zur Beute her. Ist er sehr hungrig, dann schießt er nach und schnappt zu. Wie wichtig für einen Schwarmfisch der Gesichtssinn ist, geht daraus hervor, dass beispielsweise eine blinde Rotfeder sich nicht mehr an den Schwarm anschließt, ihn verliert und damit kaum noch Chancen hat, am Leben zu bleiben. Sie findet zwar noch Futter, ist auch zur Fortpflanzung noch fähig, aber über kurz oder lang wird sie doch die Beute eines Räubers.
Man glaubte aber nun nicht etwa, dass der Hecht „intelligenter“ sei als ein kleiner Schwarmfisch. Schwarmfische lernen schneller, weil sie sich gegenseitig nachahmen. Außerdem sind sie gegen Überraschungsangriffe recht gut geschützt, weil die Tiere des Schwarms in verschiedene Richtungen sehen, wenn der Schwarm ausruht. Einige Exemplare stellen sich immer mit der Blickrichtung nach hinten auf, so dass dadurch der tote Winkel im Auge der Fische überbrückt wird. Man sieht das sehr gut an einem im klaren Wasser spielenden und ruhenden Schwarm.
Leider spielen die Sinnesorgane der Fische dann nur noch eine untergeordnete Rolle im täglichen Kampf um das Leben, wenn der Mensch eingreift. Das kann durch Veränderungen der Wasserläufe der Fall sein oder durch Gewässerverunreinigungen und ähnliches. Im Zuge von Flussregulierungen werden oft Stauwehre gebaut. Durch sie wird jedoch vielen Fischen die Möglichkeit genommen, in ihre stromauf liegenden Laichgebiete zu ziehen. Erst die sogenannten Fischtreppen leisten Abhilfe.

Dieser Beitrag wurde unter Es gibt nicht nur Karpfen im Main..., Jungangler und "Spätberufene" veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar