Wie wird der Aal einen tief verschluckten Haken los?

Wie wird der Aal einen tief verschluckten Haken los?
Ein Test im Aquarium sollte Aufschluss auf diese Frage bringen. Der „Testaal“ hatte – für Aale ganz normal – den Haken beim Fang teif geschluckt und die Schnur wurde dicht vor dem Maul abgeschnitten. Wie wird der Aal also nun mit dem Haken fertig?
Tag 1: Der 29 cm lange Schnürsenkel kommt mit einigen Ex-Köderfischen ins Aquarium. Der Haken steckt unsichtbar tief im Rachen, das Schnurende hängt etwa 5mm aus dem Maul.
Tag 3: Aal hat sich mit seiner neuen Umgebung vertraut gemacht und beginnt, sich einigermaßen “normal“ zu verhalten. – wozu hier auch Desinteresse an Futter gehört. Die Schnur im Maul ist verschwunden.
Tag 7: Ungefähr 6 cm hinter der Maulspitze, 3 cm hinter den Kiemen ist links eine kleine spitze beute sichtbar.
Tag 9: Die Hakenspitze tritt an dieser Stelle aus.
Tag 10: Hakenspitze bis zur Schnuranbindung sichtbar. Der dicke Knoten verhindert weiteres Durchrutschen. Aal bleibt jetzt öfter mit dem Haken hängen, vor allem am Eingang seiner „Höhle“.
Tag 13: Haken mit Schnurrest klebt zwei Handbreit über dem Grund am Scheibenreinigungs-Magneten. Aal hat in der Seite ein ca. 3 cm großes Loch (das nach 1-2 Wochen verheilt und nach 2 Monaten kaum noch erkennbar ist). Aal scheint in seinen Lebensgewohnheiten nicht beeinträchtigt, gräbt sich z.B. tagsüber in den Kiesgrund ein und ist nachts sehr aktiv. Noch immer kein Interesse an Futter. Lässt sich Maden von Rotfedern vor dem Maul wegschnappen.
Tag 20: Keine lebende Schnecke mehr zu sehen. Die Gehäuse liegen leer auf dem Grund.
Tag 21: Aal nimmt Maden an.
Es stand übrigens zu erwarten, dass der Aal mit seinem Haken (Größe 6) fertig würde. Er ist ein in fast jeder Hinsicht ungewöhnliches Tier und hat nachweisbar weit schwerere Verletzungen überstanden.
Auch ohne den „Haken-Test“ ist der Aal als Aquarienfisch ein lohnendes Objekt, in einigen Punkten allerdings auch problematisch: Er wühlt sich immer wieder durch den Kiesgrund, auch wenn er ein Stück Plastikrohr als Schutzhöhle annimmt. So haben Pflanzen kaum eine Chance zum Wurzeln. Eine besondere Abdeckung des Beckens ist notwendig, weil der Aal mit dem Kopf und – wenn er Halt findet – mit dem ganzen Körper aus dem Wasser kommt. Eigentlich ist er nur allein, mit Seinesgleichen oder allenfalls mit Beutefischen zu halten; denn er frisst auch „viel zu große“ Fische: So lag eine gutgenährte, über 8 cm große Schleie eines Morgens ausgeweidet am Grund, anstelle der Bauchflosse klaffte ein Loch. Nach 2 Tagen war die Schleie restlos verschwunden.
Quelle: Sonderheft der Zeitschrift „BLINKER“ – Der Aal –

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