Programmiertes Angel -1982-

Programmiertes Angeln
Vorweg: Dieser Bericht stammt aus dem Jahr 1982!
Endlich gibt es einen Computer für Angler. In den USA, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wurde vom „International Fishing Institute“ ein Computer speziell für den Fischfang entwickelt und aufgestellt. Wie wir aus dem „International Fishing Journal“ erfahren, wurde er mit folgenden Daten gespeist: Tage, Monate, Jahre, Uhrzeit, Stand des Mondes und der Gestirne, Sonnenbestrahlung, Solunarbeißzeiten, Luft- und Wassertemperaturen, Sauerstoffgehalt und pH-Wert der verschiedenen Gewässer, Gewässerverunreinigungen, Wasserstände, Barometerstand, Luftfeuchtigkeit, Windstärke und Windrichtung, Niederschläge, Angelköder, Angelmethoden und Angeltechniken, Fischarten, Laichzeiten, Sinnesorgane der verschiedenen Fische. Der Computer berechnet je nach Fragestellung – gegen Gebühren versteht sich – in Sekundenschnelle, wann, wie, wo und mit welchen Angelmethoden und Ködern man welche Fische mit garantierter Sicherheit fangen kann.
Trotz wissenschaftlich exakter Programmierung spielten die Fische dem Computer und den Anglern leider einen Streich. Sie richteten sich nicht nach den Ergebnissen des Computers und bissen nicht wie vorausberechnet. Tausende von enttäuschten Petrijüngern verlangten jetzt vom „International Fishing Institute“ ihre Dollars zurück. Die Wissenschaftler des Instituts stehen vor einem Rätsel. Sie vermuten einen Fehler des Computers. Bis er gefunden ist, müssen die enttäuschten Angler auf ihr Geld warten und den Fischfang weiter nach Urvätersitte betreiben.
Ein Jahr später
Von den tüchtigen Wissenschaftlern und Technikern des „International Fishing Institutes“ wurde inzwischen der Fehler in den Berechnungen gefunden. Jetzt arbeitet der Computer exakt und einwandfrei. Jetzt beißen die Fische auch wie berechnet. Sie werden „programmiert“ gefangen. Erfolgreiches Angeln ist ein Kinderspiel geworden.
Nach anfangs sehr regem Zuspruch und entsprechend hohen Einnahmen musste der Computer inzwischen seine Arbeit allerdings einstellen. Die hohen Kosten für die aufwendige Technik kommen nicht mehr herein, weil die Angler nicht mehr mitspielen. Computergesteuertes Angeln ist für die uninteressant geworden, weil der Reiz der Hoffnung und die Spannung dabei fehlen. Jetzt betreiben die amerikanischen Angler den Fischfang wieder nach Urvätersitte und haben daran die größte Freude, auch wenn sie hin und wieder als „Schneider“ nach Hause gehen. Der Anglertraum ist ausgeträumt. Der Angel-Computer erwies sich – Gott sei Dank – als eine krasse Fehlentwicklung.
Aus: „Angler haben mehr vom Leben“ von Heinrich Ruhl
BLINKER Schmunzel-Bibliothek 1982

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