Karpfenbesatz -Bericht aus dem Jahr 1965 –

Karpfenbesatz –1965 –
Um einen attraktiven Karpfenbestand aufzubauen oder zu erhalten, müssen die mitteleuropäischen Wildgewässer regelmäßig Besatz erhalten. Hauptsächlich werden zweisömmrige Karpfen eingesetzt. Einsömmrige Karpfen sollten nur in Gewässer eingebracht werden, wo ein Fischbestand ohne nennenswerten Hechtbestand oder andere größere Raubfische, außer Aal, vorhanden ist. Nach Möglichkeit wird jede Besatzmaßnahme im Herbst durchgeführt. Die Jungfische finden in Wildgewässern bessere Wintereinstände und günstigere Nahrungsbedingungen vor, so dass sie verlustarmer über den Winter kommen und im nächsten Jahr besser abwachsen.
Durch die große Beliebtheit des Karpfens und begünstigt durch die ausreichende Bereitstellung von Satzfischen kommt es leider immer wieder zu unüberlegten, ja, oftmals in angelsportlicher Hinsicht sogar schädlichen Besatzaktionen. So werden neu entstandene Baggerseen, denen noch jeglicher Bodenschlamm fehlt, mit Karpfen besetzt, die sich wegen der schlechten Ernährungsbedingungen regelrecht „großhungern“ müssen. Fließgewässer oder Seen mit Abfluss werden besetzt, ohne daran zu denken, dass die Jungfische einen starken Hang zur Abwanderung haben. Außerdem ist die Wiederfangrate beim Karpfen in Fließgewässern wesentlich ungünstiger als in stehenden Gewässern. Zu große und zu tiefe Gewässer werden trotz der hier ebenfalls geringen Wiederfangrate besetzt. Bis dahin attraktive Brassengewässer erhalten auch noch Karpfenbesatz, mit dem Erfolg, dass in einigen Jahren große Bleie durch Herausfang fast vollständig verschwunden sind, während kleinwüchsige Brassen zunehmen.
Klarheit muss außerdem darüber bestehen, dass allein durch regelmäßige Besatzmaßnahmen selbst in günstigen Gewässern auf die Dauer kein optimaler Karpfenbestand erhalten werden kann. Überalterte und mit angelsportlichen Methoden kaum noch zu fangende Großkarpfen beanspruchen einen großen Teil des Nahrungsaufkommens, so dass Brachsen und Plötzen, aber auch die nachgesetzten Jungkarpfen ein stark vermindertes Wachstum zeigen. Es gehört zur Hege des Fischbestandes, überständige Karpfen mit fischereilichen Mitteln aus dem Gewässer zu entfernen.
Das das nur teilweise möglich sein wird, verbleiben für den Angler immer noch genügend große Karpfen im Gewässer.
Plomann -1965-

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