Boilie contra Mais -1988-

Boilie contra Mais -1988-
Das Wort Boilie ist heutzutage aus dem Bereich des Angelns nicht mehr wegzudenken. Ist diese kleine harte Kugel wirklich der Topköder für unseren beliebten Angelfisch, den Karpfen? Mit Skepsis hörte ich die Angelgeschichten, die von Massenfängen in kapitalen Stückgewichten berichteten.
Nun wollte ich der Sache auf den Grund gehen. Zusammen mit meinem Angelfreund Jörg startete ich die Aktion „Boilie contra Mais“. Eine Woche lang fütterten wir an unserem Vereinsgewässer eine erfolgversprechende Angelstelle an. Da ich vorher noch nie mit dieser Proteinkugel gefischt hatte, musste ich mir Angelmethoden und Anwendungsmöglichkeiten aus der Fachliteratur aneignen. Die Haarmethode schien mir am erfolgreichsten, deshalb wurde noch schnell ein fertiges Vorfach beim Angelhändler gekauft.
Gut gerüstet bezogen wir am Abend des Tages X unsere angefütterten Plätze. Wir einigten uns, um Vergliche ziehen zu können, unsere Köder auf Grund anzubieten. In der ersten halben Stunde tat sich nichts. In einem Augenblick der Unachtsamkeit kam der erste Biss an meiner Rute. Der Anschlag ging jedoch ins Leere. Trotz dieser Fehlleistung wich langsam meine Skepsis gegenüber meinem Angelköder. Jörg bekam nun auch die ersten zaghaften Bisse, ohne jedoch einen Anhieb setzen zu können. Wir vermuteten kleinere Rotaugen, die sich an den mit drei bis vier Maiskörnern bestückten Haken zu schaffen machten. Nach einer Stunde dann plötzlich ein Biss, der mir meine Rute fast ins Wasser zog. Der Anschlag saß, und der Fisch zog locker fast 20 Meter Schnur von der Rolle. Nach einem fünfminütigen Drill konnte mein erster Boiliekarpfen sicher gelandet werden. Es war zwar kein Riese, aber wir schätzten ihn doch auf vier bis fünf Pfund. Meine Skepsis war von nun an verschwunden. Kurze Zeit später konnte Jörg einen untermaßigen Karpfen erbeuten, der sofort in sein Element zurückgesetzt wurde. Nun war ich wieder an der Reihe. Die Schnur straffte sich… Anschlag, und los ging der Tanz. Nach der ersten Flucht meinte ich, einen kapitalen Brocken am Haken zu haben, doch nach dem ersten Dillmoment war mir klar, dass ich nur einen kleineren Burschen erwischt hatte. Er brachte aber immerhin drei Pfund auf die Waage. Bereits nach kurzer Zeit das gleiche Spiel. Der Anhieb saß, und ich fühlte einen starken Widerstand. Leider verhedderte sich die Schnur dermaßen am Rutenhalter, dass der Karpfen wieder vom Haken freikam. Mehr Glück hatte Jörg. Er fing kurz darauf noch einen kleinen Karpfen und eine maßige Schleie. Langsam setzte die Dämmerung ein, und schlagartig hörte es mit den Bissen auf. Nach einer weiteren halben Stunde packten wir unsere Angelsachen und traten die Heimreise an.
Massenfänge oder den Fang eines Kapitalen konnte ich zwar nicht vermeiden, aber meine Vorurteile gegen diese harte Kugel waren verworfen. Fazit: Boiliefieber ist nicht bei mir ausgebrochen, aber ich entschloss mich, dem Boilie in Zukunft mehr Bedeutung zukommen zu lassen.
Quelle: „fischwaid“ Oktober 1988
Autor: V. König

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