Raubfische, was man wissen sollte…

Raubfische
Der Herbst kommt mit großen Schritten und somit die beste „Raubfischzeit“. Hier mal was über „Raubfische“ und so manches was man über deren Fang wissen sollte.
Der Fang von Raubfischen setzt schon ein gewisses Maß an anglerischer Erfahrung und bei Verwendung von Spinnködern, technische Übung voraus. Darum empfiehlt es sich, wo die Möglichkeit dazu gegeben ist, zunächst mit dem Grundangeln auf Friedfische zu beginnen, bei denen die häufigeren Bisse – wenn auch zunächst meist von kleineren Fischen – am besten die Grundkenntnisse des Angelns vermitteln.
Nach einiger so erlangter Erfahrung ist es dann auch noch empfehlenswert, sich beim ersten praktischen Versuch im Raubfischangeln einem schon erfahrenen Angler anzuschließen, da das theoretisch Erfasste am praktischen Beispiel eine wertvolle Ergänzung erfährt, was zu schnellerer Sicherheit führt. Es liegt auf der Hand, dass man auch einem etwaigen Zufallsfang eines schweren Fisches nicht zu laienhaft begegnen, und vielleicht durch Verzicht auf praktische Anweisung ein Abkommen bzw. Verludern verursachen möchte.
Grundsätzlich sollte man sich darauf einstellen, dass man allergrößte Sorgfalt auf einwandfreies und festes Gerät gerade bei diesem Angeln legen muss, da die kapitalen Fische auch die größte Beanspruchung in dieser Hinsicht stellen und ihr Verlust infolge schwacher Schnüre, unzuverlässiger Verknotung oder mangelhaften Hakenmaterials nicht nur sehr schmerzlich zu sein, sondern bei rechten Sportfischern auch nicht als Entschuldigung zu gelten pflegt. Man fischt daher besser mit stärkerem und sorgfältig geprüftem Material, um bei Verlusten wenigstens ein gutes sportliches Gewissen zu behalten. Raubfische sind auch gegen stärkeres Schnurmaterial lange nicht so empfindlich wie einige Cyprinidenarten.
Die verschiedenen Arten
Der Hecht – Esox lucius – ist der einzige Vertreter seiner Gattung bei uns, liebt im allgemeinen wärmeres Wasser, kommt aber auch in Unterläufen von Gebirgsbächen und in Gebirgsseen, etwa bis 1500 m hoch, vor. Bei Magenuntersuchungen wird meist festgestellt, dass dem Hecht nur selten Salmoniden zum Opfer fallen, die wohl zu gewandte Schwimmer sind. Auch von Weißfischen schlägt er zunächst die kranken und schwachen Exemplare, gilt daher mit Recht als Gesundheitspolizist im Wasser. Dass man in stark besetzten Hechtgewässern häufig auffällig viel Futterfische trifft, erklärt sich daraus, dass bei der ungeheuren Fruchtbarkeit der betreffenden Arten infolge übermäßiger Nahrungskonkurrenz das Wachstum minimal bleibt und selbst zahlreiche Hechte der Massen von Kleinfischen nicht Herr werden. Man kann sich daher beim künstlichen Hechtbesatz solcher Gewässer so leicht nicht übernehmen und tut gut daran, das „Fischunkraut“ in wertvolleres Hechtfleisch umzuwandeln. Gewichte bis zu 15 kg kommen häufiger vor, vereinzelt auch höhere. Laichzeit Februar bis Mai. Er wird mit 2 bis 3 Jahren etwa bei 28 bis 30 cm geschlechtsreif.
Merkliche Schäden richten im allgemeinen nur die überschweren, sehr vorsichtigen Hechte an, die infolge ihrer Heimlichkeit viele Jahre auch im stärker befischten Gewässer unbemerkt bleiben können. Bei hohem Nahrungsverbrauch sind solche schweren Räuber natürlich für einen gepflegten Bestand, auch mittlere Artgenossen, sehr gefährlich und müssen daher möglichst weggefangen werden. Sie sind sehr unrationelle Futterverwerter.
Man kann sie am besten bei abendlichem „Räubern“ ausmachen und ihnen dann in vorsichtigem Wurf die Köderfischangel anbieten, die bei einiger Geduld auch meist zum Ziele führt. Kunstköder pflegen solche erfahrenen Fische, die vielleicht nur noch in der Dämmerung – wenigstens im flachen Wasser – rauben, selten zu nehmen. Allgemein ist beim Hechtangeln zu beachten, dass der Hecht den Köder im Sprunge von der Seite zu fassen pflegt, um ihn erst nach einigem Verharren zum Schlucken im Maul mit dem Kopf nach vorn umzudrehen. Er pflegt gleich so fest zuzupacken, dass beim Anhieb die Haken nicht immer in die Rachenhaut eindringen. Man kann daher die Vorsichtsmaßnahme, den Anhieb mehrmals zu wiederholen, nicht genug empfehlen, da die meisten Verluste auf eine solche Unterlassung zurückzuführen sind.
Auch darf man im Eifer der Landung nicht vergessen, dass der Hecht noch außerhalb seines Elementes von seinem gefährlichen Gebiss Gebrauch machen kann, dass daher Vorsicht durchaus am Platze ist.
Köder: Spinner, Wobbler, Plastikköder, sowie tote und lebendige Köderfische am System bzw. an der Grundangel, helle Frösche mittlerer Größe.
Beisszeit: Im Sommer am frühen Morgen und in den Abendstunden, beste Fangzeit – auch tagsüber – in den Herbstmonaten.
Gerät: Schwere Spinn- oder Grundrute mit Übersetzungsrolle, mindestens 100 m Perlon nicht unter 0,35 mm. Für die Köderfischgrundangel großes Floß. Drahtvorfach, Bleibeschwerung und Wirbel gegen Schnurverdrehungen. Zum Landen weiter Kescher bzw. Gaff.
Der Barsch – Perca fluviatilis – laicht in den Monaten April – Mai, wobei größere Rogner bis zu 300.000 Eier in langen Gallertschnüren, sog. Barschschnüren an Wasserpflanzen usw. ablegen. Er ist gekennzeichnet durch den Besitz von zwei Rückenflossen, deren vordere aus Stachelstrahlen besteht, Kammschuppen, dornartige Enden der Kiemendeckel (Vorsicht beim Anfassen!) und einem blauschwarzen Punkt am Ende der ersten Rückenflosse. Er erreicht schon selten ein Stückgewicht von 2 kg, jagt im Schwarm kleine Fische, die fächerartig an der Wasseroberfläche auseinanderspritzen, woran man – bei Wiederholung – die Räuber erkennt. Große Barsche sind Einzelgänger, die mit Vorliebe in Deckung von versunkenem Holz usw. auf Raub stehen. Der Barsch nimmt gierig alle Fleischköder vom Regenwurm bis zum Köderfisch fast eigener Größe. Fleisch sehr wohlschmeckend, besonders wenn man durch Hauteinschnitte die Wirkung kleinere Gräten beim Braten beseitigt.
Köder: Kleine Spinner, Wobbler, tote Fischchen am Wobbelsystem, Fischteile („Fetzen“), Tunkfischchen, Regenwürmer, Maden, Streamer. Vorsichtiger, zügiger Drill nötig, da Haken in pergamentartiger Maulhaut leicht ausschlitzt.
Beisszeit: Ziemlich gleichmäßig in der wärmeren Jahreszeit
Gerät: Mittleres Spinngerät, Grundrute oder steife Fliegenrute, Rolle, Perlon 0,30 mm.
Der Zander: – Lucioperca sandra – gehört zu den barschartigen Fischen, deren edelster Vertreter er bei uns ist. Er wird im vierten Sommer mit etwa 45 cm geschlechtsreif. Im April – Mai werden pro Milchner bis 300.000 stark klebrige Eier an Zweigen usw. abgelegt und bewacht = Zandernester und Brutpflege. Der Jungzander ist im Vergleich zum Barsch mehr gestreckt und hat keinen schwarzen Punkt am Ende der ersten Rückenflosse, außerdem weist er auch als Setzling schon das typische Zandergebiss mit den sog. „Hundszähnen“ auf, 2 Fangzähne im Unter-, 4 im Oberkiefer. Gewichte bis zu 10 kg. Lebt gesellig am Grund, wo man ihn – im Gegensatz zum Hecht – ausschließlich zu suchen hat (an Strömungskanten hinter Buhnen, vor Uferbuchten, an Landungsstegen usw., immer nahe dem Grund). Packt den Köder mit dem spitzen Maul meist kurz von hinten, daher bei größeren Köderfischen häufig Fehlbisse, auch noch nach längerem Festhalten, da er erst nach zweitem Verharren mit dem Schlucken beginnt.
Köder: Kleine Spinner und kleine tote Köderfischchen, Fischteile, Tauwürmer, Streamer.
Beisszeit: August bis Oktober, früher Morgen und Abendstunden, an nebligen Tagen auch tagsüber.
Gerät und Fanghinweise: Spinnrute, schwere Grundrute und schweres Flugangelgerät mit Sinkschnur, Perlon mindestens 0,35 mm, stärkere Beschwerung und entsprechendes Floß. Beim Spinn- oder Grundangeln mit kleinen Ködern sogleich Anhieb setzen, wenn leichter Widerstand bemerkt wird, da üblicher vorsichtiger Zanderbiss leicht übersehen wird. Ermüdet beim Drill schnell. Vorsicht beim Landen (Stacheln und Kiemendorne!). Da Schwarmfisch, mehrere Fänge an einer Stelle möglich. Landungsgerät Kescher bzw. Gaff.
Der Wels: – Silurus glanis – ist unser größter Süßwasserfisch. Seine Laichzeit fällt in die Monate Mai/Juni, wo pro Rogner bis 100.000 gelbliche Eier mit 0,3 mm Durchmesser abgelegt werden. Der Wels erreicht bereits im ersten Jahr bis 500g Gewicht und wiegt im vierten Jahr schon 3 kg. Er hat im Gegensatz zum ähnlichen Zwergwels (4) nur zwei lange Barteln am Oberkiefer. Gewichte bis zu 50 kg (1978!) möglich. Größere Vorkommen, die planmäßiges Sportangeln auf diesen sehr wehrhaften, nächtlichen Räuber lohnen, hauptsächlich im Donaugebiet und im Chiemgau. Fleisch sehr geschätzt.
Köder: Tiefgeführter Spinner, tote oder lebende Köderfische (1978), Tauwurmbündel (4-5 Stück).
Beisszeit: Ab Spätsommer in den Dämmerstunden, bei Regenwetter auch tagsüber.
Gerät: Starke Spinn- oder Grundrute, schwere Übersetzungsrolle mit mindestens 100 m Perlon nicht unter 0,40 mm, Bleibeschwerung und größeres Floß. Landungsgerät Gaff bzw. weiter Kescher.
Der Aal – Anguilla anguilla – kommt in allen Flussgebieten vor, die direkte Verbindung zur Nord- und Ostsee sowie zum Mittelmeer haben, im Donaugebiet daher nur nach Besatz. Laicht im westatlantischen Sargassomeer. Wanderungen der 5 cm langen Jungaale (Glasaale) in ungeheuren Schwärmen zu europäischen Flüssen, in denen sie bis zur Laichreife bleiben. Während dieser Periode des Wachsens bezeichnen wir den Aal als „Gelbaal“. Wandert er zum Laichen ins Meer ab, wird er wegen seiner Bauchfarbe als „Blankaal“ bezeichnet. Während – nach noch in Gang befindlichen Untersuchungen – die männlichen Aale in den Unterläufen der Flüsse zu bleiben scheinen und nur geringe Gewichte erreichen, ziehen die weiblichen bis in die fernsten Gebirgsbäche und nehmen an Gewicht bis zu mehreren Kilogramm zu.
Aalangeln, bei dem der Haken meist tief geschluckt wird, ist sportlich meist wenig geschätzt. Wegen des hoch bewerteten und schmackhaften Fleisches, aber auch wegen seines Schadens als Laichräuber in Salmonidengewässern, lohnt sich jedoch sein Fang sehr, hat bei stärkeren Beständen zweifellos auch seine eigenen Reize, allerdings nur bei Verwendung eines bewährten „Tötungsgerätes“, auf das ein waidmännisch denkender Angler, auch im Interesse des Ansehens seines Sports, nie verzichten sollte.
Außer mit Angel und Reuse kann man diesen Fisch noch mit dem „Aalpödder“ erbeuten. Dieser besteht aus Tauwürmern, die in größerer Zahl auf einen Woll- oder Baumwollfaden aufgereiht, zu einem Knäuel um die Hand gewickelt und mit Schnurwicklungen zu einem Ring gefestigt werden. Dieser Ring wird an fester Rute mit kräftiger Schnur und entsprechender Beschwerung als Grundangel gehandhabt, beim Biss hochgenommen und schnell über ein auf der Wasseroberfläche angebrachtes weites Netz (oder halbgefüllten, schwimmenden Bottich) gehalten, wo die nur mit den Zähnen an den Wollfäden hängenden Aale alsbald abzufallen pflegen.
Köder: Tauwürmer, kleine Fischchen, Fischstücke.
Beisszeit: Sommer, Herbst, in den frühen Morgen- und späten Abendstunden, besonders bei Gewitterschwüle.
Gerät und Fanghinweise: Kräftiges Grundgerät mit starker Schnur und langstieligen Haken Größe 3-5, Grundblei mit oder ohne Schwimmer. Für die Landung (ohne Drill) wird zweckmäßig ein trockenes Tuch zum festen Anpacken bereit gehalten, um zu starkes Schlängeln zu hemmen. Sofortiges Abfangen mit neuartigem Hilfsgerät „Aaltöter“ (Durchstoßen des Rückgrates mit gegabeltem Dorn in Festhaltegabel) vereinfacht und humanisiert das Aalangeln sehr. Vorsicht vor Verletzungen durch Angelhaken infolge des Schlängelns, da Infektionen durch Aalblut gefährlich sind.

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