Einiges über Grundeln (und berühmte Grundelesser…)

Einiges über Grundeln (und berühmte Grundelesser…)
Vor ca. 450 Jahren wurden die Grundeln zu Hunderten in Seideln gehandelt, während heute (im Mittelalter) nur diejenigen Hausfrauen, die mit ans Fischwasser ziehen, ab und zu den Anblick einer als Lebendköder verwendeten Grundel haben, die doch der näheren Betrachtung wert ist.
Denn nicht nur Iltisse und Bisamratten haben eine Vorliebe für die Grundeln, sondern sie waren im späteren Mittelalter als besonderer Leckerbissen geschätzt. So war Luthers Freund Melanchthon ein passionierter Grundelesser. In dem seltenen Werk „Pauli Jovii comensis Modici De Romanius Piscibus“, das ein Freund des großen Erasmus von Rotterdam, Johannes Frobenius, in seiner Berühmten Baseler Officin herausbrachte, ist ein ganzes Kapitel den „fetten und vorzüglichen Grundeln“ gewidmet. Und im großartigen „Fisch-, Vogel- und Thierbuch“ des Straßburgers Leonhard Baldner heißt es 1660: „Ein Grundel ist ein Herrenfisch unter den kleinen Fischen, diesse werdten theür verkauft und mit einem Maß gemessen, darin man den Wein ausmeßet. Sie werdten den armen leüthen nicht viel zu theil. Den Christen sind sie wohl erlaubt, denn es ein gesundt und herrlichs Essen ist“.
Christian Fürchtegott Gellert, der starb, als Goethe gerade zwanzig war, schreibt in einer Haushaltsnotiz: „Der Besuch will mit Gewalt mein Gast den Abend seyn; du musst geschwind die Kanne Schmerlen (Grundeln) sieden!“
Goethe selbst bittet Christiane Vulpius: “…hebe mir, meine Liebe, einige Schmerlen (Grundeln) auf, dass ich einige Bisse finde.“
Im 17. Jahrhundert wurden in Böhmen gebackene Grundeln, ähnlich den Sardellen der Adria, in den Straßen mancher Städte von Männern, die an Riemen Warmhaltebleche trugen, auf Papierunterlagen oder in die bloße Hand verkauft. Könige und Kaiser verlangte es nach Grundeln, der Autor des 1758 erschienen Buches „Wohlbewährte Fischgeheimnüsse“ ermahnt alle „frommen Fischer“, nach Ostern die Grundeln (Schmerlen) zu schonen, da sie voll Rogen seien. Wer im churfürstlich bayrischen Gebiet Schmerlenbäche plünderte, wurde hart bestraft. Wer Gruben, Gräben oder kleine Teiche besaß, züchtete Grundeln, fütterte sie mit Schafmist und beherzigte die Ratschläge aus A. Hegers: „Teich- und Weyherlust“ aus dem Jahr 1727: „Wenn die Grundeln anschlagen, so kann man einen herrlichen Nutzen davon haben, dann die Maass öffteres für einen halben Gulden verkaufft wird.“
Kein Wunder, dass auch in den Instruktionen zur Bewirtschaftung der gewaltigen Wallensteinschen Herrschaft Friedland ein eigener Abschnitt der Aufzucht, Fütterung und Hälterung der Grundeln gewidmet war. Doch was hilft´s: Tempora mutantur et nos mutamur in illis – die Grundel, die in Kannen, Seideln oder Fässchen geliefert wurde, da ihr Durchschnittsmaß selten über 15 cm Länge liegt, schmeckt so köstlich wie eh und je, sie ist nur derzeit nicht in Mode.

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