Bärensaft und Teufelsdreck -Teil II-

Bärensaft und Teufelsdreck – Teil II –
Während eine puritanisch-aufklärerische Richtung in den letzten Jahrzehnten die Fischwitterung als Aberglauben abtat, haben neue Forschungen die Wirksamkeit derartiger Substanzen, deren meiste auch in der Heilkunde Verwendung finden, voll bestätigt. Mit den Extrakten, Absuden oder Ölen werden entweder die Köder oder das oft tagelang vor dem Fischen ausgestreute Lockfutter behandelt, manchmal aber auch Netze und Reusen oder in der Nähe der Angelhaken angebrachte Wattebäuschchen. Schärfstens abzulehnen und bei Strafe verboten sind dagegen vielerlei Gifte, die die Fische betäuben oder gar töten, da damit stets auch untermaßige Stücke und die Brut vernichtet werden. Dazu wurden der Seidelbast oder Kellerhals, der von arabischen Ärzten seit 1300 gegen Hysterie verordnete Milchsaft aus den Wurzeln der Ferula Scorodosma, auch unter den Bezeichnungen Asa foetida, Satansglut oder Teufelsdreck bekannt. Mit einjähriger Zwangsarbeit in Ketten ließ der Hohenstaufenkaiser Friedrich II. um 1231 auf Sizilien jeden bestrafen, der dabei ertappt wurde, mit den roten Beeren der Eibe zu fischen, durch die die Fische vergiftet werden. In Deutschland hatte er die Fischerei mittels der Eibenbeere, des Bilsenkrautes und des Seidelbastes bereits 1212 untersagen lassen. Zum Bilsenkraut, auch Zigeunerkorn, Hühnertod, Teufelswurz und Schlafkraut genannt, meinte Konrad von Mengenberg in seinem systematischen, aber auch mit Sagen und kulturgeschichtlichen Details ausgestatteten Werk „Buch der Natur“ im Jahr 1350 unter anderem: „Jusquiamus heizt pilsenkraut – daz ain mensch nur will slafen und vergozzet vil ding…“ Weit verbreitet waren die nicht mehr erhältlichen Kokkels-, Fisch- oder Läusekörner, die , zerstampft und mit Honig und Mehl vermischt, in Form von Kügelchen von Fischen begierig angenommen wurden und diese betäubt oder sterbend an die Oberfläche brachten. Mancher Fischdieb erlitt bei der Verwendung solcher Gifte Schäden an der Gesundheit oder den Tod, zumal auch bei der Verwendung der berüchtigten Brechnüsse, auch Krähenaugen genannt, die Strychnin enthalten. Auch Konrad von Gesner (1516-1565) und der Baseler Botaniker Kaspar Bauhin (1560-1624) kannten schon die Wirkung der Brechnüsse. Als Grundköder werden heute für Friedfische zumeist gekochte Kartoffel, grüner oder weichgekochter reifer Mais, gekochte Getreidekörner, in Blut getränktes und getrocknetes Maismehl, zerschnittene Schnecken, Muscheln, Regenwürmer und Schlachthausabfälle, für Raubfische auch zerschnittene Fische und versprudeltes Fischblut verwendet. Auch diese Dinge wirken durch ihren Geschmack und Geruch, sollen aber in Teichen und Ausständen nur sehr sparsam verwendet werden, da bei ihrer bakteriellen Zersetzung sehr viel Sauerstoff verbraucht wird, was zu Fischsterben führen kann. Der unverbesserliche Fischdieb reibt sich die Füße mit dem Saft der Blätter der Ochsenzunge ein – dies lockt die Fische heran und macht sie so friedlich, dass sie sich leicht fangen lassen. Wer aber Aale stehlen will, nimmt einen möglichst schon „aromatisch“ duftenden langen Schafdarm und lässt ihn, am besten gegen Abend oder vor einem Gewitter, ins Wasser hängen. Der Aal kommt und beginnt gierig zu schlucken. Sobald dies am Rucken und Zucken kenntlich wird, bläst man aus voller Brust Luft in den Darm. Dieser schwillt an, füllt das Maul des Aales ganz und gar, so dass die Beute leicht gelandet werden kann. Wer´s nicht glaubt, lese bei Oppian nach, der dies Rezept in seinen in griechischen Versen verfassten Abhandlungen über den Fischfang verrät.
Aus: „Die nasse Weyd oder Angler- und Fischbrevier“ von J.A. Boeck

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