Anfüttern des Karpfens -Die Anfänge-

Anfüttern des Karpfens
Unumstritten
Anfüttern ist ein gutes, ja wahrscheinlich das beste Mittel, schwere (und natürlich auch weniger schwere) Karpfen an den Haken zu bringen. Dieser Satz findet wohl allgemeine Zustimmung. Umso wiedersprüchlicher sind jedoch die Meinungen, wo, wann, womit, wie viel und wie oft angefüttert werden soll. Um uns nicht gleich zu Anfang in uferlose Debatten zu verstricken, wollen wir zunächst einmal die allgemein anerkannten und bewährten Methoden besprechen und dann auch umstrittene Fragen behandeln.
Der Anfütterungsplatz
Um einen für die Anfütterung geeigneten Platz zu finden, müssen wir schon einige Zeit und Mühe aufwenden. Bei der Auswahl günstiger Stellen leistet ein Boot gute, in größeren Seen fast unumgängliche Hilfe. Dort, wo wir Karpfen beim Gründeln beobachten oder Fraßlöcher feststellen, wo am Rand des Geleges Pflanzenstengel verdächtig bewegt werden oder wo wir Schlammwolken oder fein perlende Luftbläschen aufsteigen sehen (die allerdings nicht mit den großen, in unregelmäßigen Abständen aufsteigenden Sumpfblasen verwechselt werden dürfen) – überall dort werden wir den Grund besonders genau untersuchen.
Wir wissen, dass der Karpfen schlammige Stellen schätzt, aber für einen Anfütterungsplatz ist tiefer Schlamm trotzdem wenig geeignet: Unser Grundköder würde allzu schnell in dieser weichen Schicht versinken und von den Fischen gar nicht oder nur zufällig gefunden werden. Wir brauchen vielmehr einen hindernisfreien, festen, womöglich sandigen oder mit feinem Kies bedeckten Boden in der Nähe der gewohnten Fressstellen. Ein Algenbelag oder kurzer, nicht zu dichter Pflanzenbewuchs schadet natürlich nicht. Der Platz sollte, wenn nötig, gereinigt und mit Hilfe der Krautharke von allzu starkem Pflanzenbewuchs befreit werden. Die Krautharke ist leicht aus zwei zusammengebundenen eisernen Rechen herzustellen, die mit einer kräftigen Schnur über den zu säubernden Grund gezogen werden. Auch hierbei wird man ohne Boot schwer zurechtkommen.
Nun liegen die Weideplätze der Karpfen häufig am Rand von Krautbetten oder Seerosenfeldern, in denen ein gehakter Fisch verblüffend schnell verschwindet – oft auf Nimmerwiedersehen. Wir müssen daher den Futterplatz etwas weiter weg ins freie Wasser verlegen. Auch bei anderen gefährlichen Hindernissen machen wir es so, zum Beispiel an versunkenen Baumstämmen, abgesoffenen Booten, Wurzelstöcken, Reisigbündel (die man für laichende Zander ausgelegt hat). Um den Karpfen das Auffinden des Futterplatzes zu erleichtern, legen wir eine Futterstraße an, das heißt, wir werfen einzelne Brocken in kleinen Abständen ein, die von den natürlichen Fressstellen weg zum eigentlichen, dann reicher gestückten Futterplatz führen.
Ein sehr mühsames, aber auch besonders wirksames Verfahren ist das Anlegen von Futterwegen durch das Gelege. Manchmal leisten uns die Fische selbst eine gewisse Vorarbeit: Beim häufigen Durchsuchen des Geleges nach Nahrung entstehen natürliche „Gassen“, die wir dann nur noch etwas verbreitern und säubern müssen. Am Ende des ebenfalls mit einzelnen Futtergaben bestückten „Wechsels“ liegt dann der Fangplatz. Ich weiß: Das liest sich gut und erscheint ganz einfach, in Wirklichkeit ist es eine harte Arbeit, die nur vom Boot aus mit tatkräftiger Unterstützung eines Angelfreundes zu bewerkstelligen ist. Alle Arbeiten sollten ein bis zwei Wochen vor dem Beginn des Angelns durchgeführt werden, denn das stundenlange Entkrauten verscheucht und vergrämt die Karpfen zunächst einmal gründlich. Sobald dann wieder längere Zeit Ruhe herrscht, kehren die Fische an die altgewohnten Plätze zurück.
Wenn man an einem fremden Gewässer die Standplätze nicht kennt und sich die Karpfen durch die oben beschriebenen Anzeichen nicht verraten, kann man eine von dem Engländer Fred Taylor ersonnene Methode versuchen: Man nimmt Stücke alten, harten Brotes (etwa von der Größe einer Streichholzschachtel) und befestigt jedes Stück an einem Bindfaden. Dann wirft man die Brotstücke an „verdächtigen“ Stellen aus und lässt die durch einen Papierstreifen markierten Fäden am Ufer liegen. Bei einer späteren Kontrollen wird man feststellen, dass einige Brotstücke verschwunden und nur noch die Fäden vorhanden sind. Natürlich werden kleine Weißfische das Brot gefressen haben. Wenn aber Brot und Fäden verschwunden sind, kann man annehmen, dass ein schwerer Fisch sie mitgenommen hat und dass dieser Fisch möglicherweise ein Karpfen gewesen ist. Vielleicht ist dieses Experiment noch wirkungsvoller, wenn man statt der Brotstücke, die sich nach kurzer Zeit auflösen, größerem gerundete Kartoffelstücke nimmt, die von dem Kleinzeug nicht angeknabbert werden können. Man wählt diese Kartoffelstücke in der gleichen Form, Größe und Festigkeit, wie man sie später als Angelköder verwendet. Wichtig ist, dass der Anfütterungsplatz dem Angler Deckungsmöglichkeiten bietet. Wenn natürliche Deckungen (Gebüsch, Baumstämme, hohes Gras) fehlen, sollte man künstliche aufstellen. Das kann ein Zelt sein, ein ausgespanntes Tuch, ein großer Schirm in gedeckten Farben. Es empfiehlt sich, mehrere Anfütterungsplätze anzulegen, einmal, um den nach den Temperaturverhältnissen günstigsten Platz wählen zu können, zum anderen, um an einen anderen Platz ausweichen zu können, wenn der eigene von einem anderen Angler besetzt ist. Das kommt in Vereinsgewässern häufig vor und ist eine Quelle unerfreulicher Auseinandersetzungen. Zu verurteilen ist der andere Angler, der, ohne selbst anzufüttern, sich ständig an fremden Plätzen häuslich einrichtet. Aber eine Möglichkeit, ihn zu vertreiben, hat man natürlich nicht – es sei denn mit Gewalt. Dann hätten wir Wild-West-Zustände am Wasser – eine unmögliche Vorstellung. Als der Klügere gibt man eben nach und sucht einen anderen vorbereiteten Platz auf, auch wenn er im Augenblick weniger günstig ist.
Angler, die sich schon öfter über das Verhalten solcher „Kollegen“ geärgert haben, versuchen, das Anfüttern zu tarnen, indem sie es heimlich bei Dunkelheit oder Nebel oder früh am Morgen durchführen, wenn „normale“ Angler noch in den Federn liegen. Oder sie werfen an Stellen, die sie ernstlich gar nicht in Betracht ziehen, überhaupt keinen Grundköder, sondern Sand oder Steinchen ein.
Eine andere Möglichkeit, sich den eigenen Anfütterungsplatz zu sichern, besteht darin, ihn an stellen zu verlegen, die für Konkurrenten unzugänglich oder nur mit größter Mühe erreichbar sind. Professor J.A. Boeck schilderte im Sportfischer-Jahrbuch 1977 einen Karpfenangler, der mit Hilfe einer Gummischleuder Lockköderkugeln rund 50m weit an das gegenüberliegende Ufer warf. Diese kilometerlange Uferstrecke konnte wegen ihres undurchdringlichen Bewuchses praktisch nicht begangen werden (Boot war verboten). An die angefütterte Stelle bahnte er sich „unter unglaublichen Mühen und voller Heimlichkeit einen 500 m langen Pfad durch Gestrüpp und tückisches Sumpfgelände“. Darüber waren Wochen vergangen, aber Geduld und Strapazen fing der Zielbewusste innerhalb achtundvierzig Stunden zwei Sechsundzwanzigpfünder und einen Zwanzigpfünder. Es ist klar, dass solche ungewöhnlichen Vorbereitungen nur Angler treffen können, die viel Zeit haben, am Wasser wohnen oder wenigstens in rasch erreichbarer Nähe und die sich voll auf den Karpfenfang konzentrieren. Das gilt teilweise auch für die folgenden Empfehlungen: Die Zeit des Anfütterns ist an sich nebensächlich, wichtig ist, dass es regelmäßig und möglichst zur gleichen Stunde erfolgt. Dann werden sich auch die Karpfen mit einer gewissen Pünktlichkeit einfinden – sobald man vom Ufer verschwunden ist. Wenn irgend möglich, sollte man mindestens eine Woche vor dem Angeln mit dem Anfüttern beginnen. Ob man am letzten Tag, ehe es „ernst“ wird, nicht mehr anfüttern soll, ist umstrittene Ansichtssache. Wenn man sparsam mit dem Grundköder umgeht – und das ist grundsätzlich richtig – kann es sein, dass der Karpfen, der kein Futter mehr vorfindet, das Interesse verliert und am entscheidenden Tag ausbleibt.
Während des Angelns werfe ich keinen Grundköder mehr ein – es soll ja alles ruhig bleiben: Kein Aufklatschen auf den Wasserspiegel, keine hastigen Bewegungen, kein festes Auftreten. Noch ein paar Bemerkungen zur Menge des Grundköders. Ich gab schon das Stichwort „sparsam“. Wir wollen die Karpfen ja nicht mästen, sondern nur ihren Appetit anregen. Es genügen also ein paar Handvoll. Eine andere Überlegung führt zu einem anderen Ergebnis: Wenn man reichlich anfüttert und dabei auch Grundköder verwendet, der sich rasch auflöst (Kleie, zerriebenes altes Weißbrot), wird man eine Menge Kleinfische anlocken. Das Getümmel am Futterplatz wird auch Karpfen neugierig machen und anlocken. Schwere Stücke mischen sich allerdings nicht gern unter das „gemeine Volk“. Für die legen wir größere Brocken an den Rand des Futterplatzes, wo wir dann auch den Angelköder anbieten.
Wie soll nun der Grundköder beschaffen sein? Fast jeder Angler hat sein eigenes Rezept. Am häufigsten wird Brot zu „Teig“ oder „Paste“ geknetet, vermengt mit Haferflocken, gequollenen Weizenkörnern, Maden, aber auch Rotwürmer oder frisch gehäuteten Mehlwürmern. Eine solche Zusammensetzung bewirkt die oben erwähnte „Massenversammlung“. Angler, die ausschließlich mit Kartoffeln fischen, füttern natürlich mit Kartoffeln an; sie fügen dem Grundköder einige Kartoffelstücke derselben Form und Größe bei, die sie als Angelköder verwenden. Form: gerundet, Größe: Haselnuss bis Hühnerei. Die Meinung, dass sehr große Köder auch sehr große Karpfen ergeben, ist durch die Praxis nicht selten bestätigt worden. Große Köder sind auch aus einem anderen Grund zu empfehlen: Sie werden von Kleinfischen nicht angeknabbert. Es gibt nichts Lästigeres und den Karpfen Beunruhigenderes als ständig den weggefressenen Köder erneuern zu müssen.
Andererseits haben Karpfen manchmal auch eine Vorliebe für kleine Happen. Das beweisen gelegentliche Fänge beim Fischen auf Rotaugen. Natürlich werden wir nicht gezielt mit feinstem „Rotaugenzeug“ auf Karpfen angeln. Das wäre viel zu riskant und auch nicht waidgerecht, wenn man die unvermeidlichen Vorfachbrüche bedenkt. In Fließgewässern muss beim Anfüttern die Stärke der Strömung beachtet werden. Nun fischen wir auf Karpfen selten in stärkerer, nie in reißender Strömung. Trotzdem wird man den Grundköder, damit er an der richtigen Stelle liegen bleibt, manchmal etwas beschweren müssen, sei es durch Beifügen von Lehm oder Ton oder durch Einkneten eines kleinen Steines. Fischen wir in Stillwasserbuchten, so unterscheidet sich das Anfüttern kaum von dem in stehenden Gewässern. Auch bei kreisenden Wirbeln wird eigenschweres Lockfutter (Kartoffeln, Kugeln aus Brotteig) über Kurz oder Lang einen am Grund stehenden Karpfen von selbst erreichen.
Haben wir im Fluss eine der oben erwähnten „Futterschüsseln“ entdeckt, so müssen wir den Grundköder je nach der Strömungsgeschwindigkeit mit einem kleineren oder größeren „Vorhaltewinkel“ einwerfen. Wir können auch oberhalb der fraglichen Stelle ein Futternetz versenken, das wir, wenn nötig, ebenfalls etwas beschweren; die Strömung wäscht dann einzelne Nahrungsbrocken aus dem Netz und treibt sie dem Futterplatz zu.
Geheimwitterungen
Wir kommen nun zu einem der umstrittensten Probleme der Grundangler: Zu dem Sinn (oder Unsinn) der sogenannten Geheimwitterungen. Wer autoritätsgläubig ist, könnte sagen: Für mich ist das Thema erledigt, nachdem der englische „Anglerpapst“ Richard Walker alle Versuche mit Witterungen und Färbungen als „Unsinn“ bezeichnet hat, und Marshall-Hardy, auch gerade kein Anfänger, sogar als „groben Unfug“. Dem kann ich nicht beipflichten. Ich glaube, wir können es uns durchaus erlauben, hier eine eigene Meinung zu haben. Während uns die Engländer beispielweise beim Lachsfischen oder beim Forellenfischen mit der Trockenfliege aufgrund einer alten Tradition überlegen sind oder lange Zeit überlegen waren, dürften wir ihnen beim Karpfenfang um einige Jahrzehnte voraus sein. Beweis: Als wir schon nach dem ersten Weltkrieg nicht selten Karpfen fingen, die die 20 Pfund-Grenze überschritten, galten solche Fische auf den Britischen Inseln noch als „unfangbar“.
Nun zurück zum Thema: Es gibt zu viele verbürgte Erfolge mit gewürzten Ködern, als dass man das Problem einfach bei Seite schieben könnte. Wenn ich von Geheimwitterung spreche, so muss ich gleich hinzufügen, dass das Wort „geheim“ eigentlich unzutreffend ist. Die meisten Köderbeimengungen und –zugaben sind mir und vielen anderen Grundanglern durchaus bekannt. Ich führe hier einige aus: Zucker, Honig, Fenchel, Anis, Blut, Leinöl, Pfefferminz, Malz, vollreifere Käser, Hefe, Fleischextrakte, Currypulver, Tomatenketchup, Zwiebel- und Fleischsuppen, ferner Lavendel-, Rosen-, Kümmel- und Sardinenöl. Wir wissen also durchaus, was alles zusammengemixt wird, nur Art und Menge der Zubereitung sind „geheim“ und das Rezept wird von den Anglern meist streng gehütet. Es sei denn, dass auch sie einmal großzügig aus der Anglerschule plaudern und das Geheimnis ihrer Erfolge preisgeben. Als Beispiel ein Rezept, nicht etwa aus einem alten Angelbuch, sondern veröffentlicht in einer modernen Fachzeitschrift:“Ich nehme ein bis zwei Hände voll Mistwürmer in einen Topf, zerreibe sie mit etwas grobkörnigen Flusssand, am besten aus dem Fluss, in dem man Angeln will, mische einen Löffel feinen Zucker oder Honig, etwas Mehl und Lehm darunter und knete das Ganze unter Zusatz von etwas Knoblauchsaft zu einer Masse, so fest, dass kleine daraus gefertigte Kügelchen am Haken gut befestigt werden können. Wenn mit dieser Masse an einer ruhigen Stelle einigemal leicht angefüttert wird, kann man, wenn überhaupt Karpfen vorhanden sind, mit Sicherheit auf Beute rechnen.
Schwere Karpfen wurden mit Erbsen, die mit Biosalz gekocht waren, gefangen. Als unwiderstehlich erwiesen sich Kugeln, die aus einer Mischung von Kartoffelteig und Malzreben geformt waren; ebenso gekochte Kartoffeln, denen am Vorabend des Fangtages fünf klein geschnittene Knoblauchzehen beigefügt waren. In allen Fällen mussten die Karpfen erst an den so eigenartig duftenden Köder gewöhnt werden. Bei den mit Biosalz gekochten Erbsen dauerte es volle zwei Wochen, bis die Karpfen, die zunächst dankend abgelehnt hatten, Gefallen an der neuen Geschmacksrichtung fanden. Zeugen sind u.a. Alfred Esch, seinerzeit bekannt als „Karpfenkönig von der Langsberger Warthe“ und Dr. August Winter, der österreichische Altmeister. Sie alle sind frei von dem Verdacht, etwa Anglerlatein verzapft zu haben.
Einige Verwirrung hat in die Reihe der Angler folgende Geschichte getragen. Ich wähle mit Bedacht das Wort „Geschichte“: Im Gegensatz zu allen hier niedergelegten Tatsachen, die entweder auf eigenen Erfahrungen oder auf glaubhaften Berichten versierter Angler beruhen, ist das Nachstehende aus dem eigenen Gedächtnis hervorgeholt. Es handelt sich um eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift, die etwa 15 Jahre zurückliegt – die genaue Quelle kann ich jedoch nicht mehr angeben. Also: Lange Zeit war die Meinung vorherrschend, dass Nikotingeruch auf den Karpfen abstoßend wirke. Es wurden Misserfolge einfach darauf zurückgeführt, dass die Angler Raucher wären. Nun hat ein Angler, der das nicht glauben wollte (und wohl auch auf das Rauchen nicht verzichten wollte) nicht nur mit nikotingebräunten Fingern seine Brotpaste geknetet, sondern sogar mit Nikotinsaft vermengt. Köder aus dieser Paste, so sein Bericht, seien genauso gut genommen worden wie solche, bei deren Zubereitung Nikotin peinlich vermieden wurde. Vielleicht widerholt ein Angler den Versuch und schafft endgültige Klarheit.
Dass auch heute viele Grundangler mit „angereicherten“ Ködern fischen, beweisen schon die zahlreichen Angebote der Gerätehersteller. Vor allem beim Wettfischen wurde von diesen Angeboten Gebrauch gemacht. Eine altrenommierte deutsche Firma bietet in ihrem Katalog neben gewöhnlichen Fertigködern nicht weniger als 7 Witterungen und „Spezialköder“ an (1990!). Teilweise werden die Erzeugnisse bewusst geheimnisvoll angepriesen („ein nach einem patentierten Verfahren entwickelter, ungewöhnlich fängiger Köderteig“, „hochwertige, sehr ergiebige Öle“), teilweise werden die Zutaten auch genannt, zum Beispiel Anis-, Hanf-, Lavendel- und Moschussöl. Oder: Angelkartoffeln, gesüßt“, oder „ein hervorragendes Fischlockmittel auf der Basis von Blut“. Eine andere, ganz ungewöhnliche Witterung enthält nach den Angaben der Firma neben gemahlenen Seidenraupenpuppen und Tintenfischleberextrakt (!), auch das geheimnisvolle Reiheröl, das schon früher immer wieder angepriesen wurde. Wie dieses Öl gewonnen wird, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Es dürfte sich heute um Importware handeln, da der Grau- oder Fischreiher in der Bundesrepublik fast überall ganzjährig geschützt ist. Mir kam es immer etwas dubios vor, Fische ausgerechnet mit dem „Duft“ schlimmer Feinde anlocken zu wollen – und der Fischreiher ist ein schlimmer Feind, wenn er in größerer Zahl in Kolonien horstet. Es soll indessen nicht verschwiegen werden, dass die zuletzt genannte Witterung im großen Lockstoff-Test, die die internationale Sportfischerzeitschrift BLINKER veranstaltete, mit Abstand an der Spitze lag. Auch das neuerdings angebotene „Krabbenöl“ (gewonnen aus Garnelen) bedarf wohl einer längeren Angewöhnungszeit, um in Stillwasser wirksam zu sein.
Ganz verkehrt wäre es, mit Witterungen ständig zu experimentieren, sie häufig zu wechseln. Das würde die Fische mit Sicherheit vergrämen.
Von Dr. Arnold Bacmeister

Dieser Beitrag wurde unter Angelmethoden -Früher & heute-, Erzählungen/Geschichten/Erfahrungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.