Futtertipps des Deutschen Meisters (1983)

Futtertipps des Deutschen Meisters (1983)
Gerhard Bodmann beschreibt das „Geheimnis“ seines Erfolges in der DSZ November 1983
Das Futter, häufig als das große Erfolgsgeheimnis der Wettangler angesehen, ist eines der Dinge, über die so viel Abenteuerliches und Geheimnisvolles gesagt und geschrieben worden ist, wie kaum ein anderes Thema. Ich möchte dieser Geheimniskrämerei nicht weiteres hinzufügen, sondern mich hier einmal mit den wesentlichen Aspekten bei der Zusammenstellung eines hochwertigen Grundfutters auseinandersetzen. Zuerst muss man sich einmal darüber klar werden, welche Aufgaben ein Grundfutter erfüllen muss. Einmal muss es eine ausreichende Menge Lebendköder zum Grund transportieren und dann dort freigeben, weiterhin muss es den Fisch – vor allem durch seinen Geruch – an den Futterplatz locken, und schließlich muss es – in Verbindung mit dem Lebendköder-Anteil – den Fisch am Futterplatz halten, ohne ihn zu sättigen.
Um diese Aufgaben zu erfüllen, muss die Substanz eines Grundfutters nach meiner Ansicht aus vier Komponenten bestehen.
Den größten Anteil bildet hierbei die eigentliche Basis-Substanz, die etwa 10 bis 30 Prozent vom Volumen des Futters ausmacht. Als Bindemittel dienen unter anderem Bisquitmehl, verschiedene Mehle und Lehm. Bindemittel erfüllen die Aufgaben, die Futtersubstanz bis zum Erreichen des Gewässergrundes zusammenzuhalten.
Die dritte Komponente, die meiner Ansicht nach zu einem hochwertigen Grundfutter gehört, ist ein Trennmittel. Es hat den Zweck, die Dauer des Auflösevorganges bzw. den Zeitpunkt der Freigabe des Lebendfutters zu regulieren. Als Trennmittel kommen vor allem Maisschrot (Polenta) und Reisschrot in Frage, außerdem Kleie.
Schließlich gehört als vierte Komponente noch ein „Schwerstoff“ ins Futter, der das Wegtreiben des Futters vom Einwurf-Ort verhindert. Schwerstoffe sind häufig auch in scheinbar stehenden Gewässern (Kanälen, Seen) notwendig, da auch dort Strömungen auftreten können, zum Beispiel durch vorbeifahrende Schiffe oder durch Wind. Sand und Kies finden hier hauptsächlich Anwendung. Der Anteil am Futtervolumen beträgt bis zu 20 Prozent.
Geruch und Geschmack sind mitentscheidend für den Erfolg eines Grundfutters. Es gibt auf dem Angelgeräte-Markt eine Vielzahl von sog. Lockstoffen, von denen wahre Wunderdinge behauptet werden, und die Bezeichnung „unwiderstehlich“ kann hier noch als eine der bescheidensten Angaben von Herstellern solcher Wundermittel gelten.
Ich verwende meist gar keine zusätzlichen Geruchs- und Geschmacksstoffe, da ich nur erstklassige, frische Rohstoffe wie Weißbrot-Paniermehl, Bisquitmehl usw. verwende, die schon ausreichend den Geruchs- und Geschmackssinn der Fische ansprechen.
Sollte ich es dennoch für nötig halten – zum Beispiel bei sehr niedrigen Wassertemperaturen oder in stark verschmutztem Wasser -, zusätzliche Geruchsstoffe einzusetzen, so verwende ich ausschließlich natürliche Produkte, wie Vanille, Karamell, Anis, Lebkuchengewürz. Es empfiehlt sich, diese Stoffe sparsam zu verwenden, denn der empfindliche Geruchs- und Geschmackssinn der Fische ist schnell überreizt und man schreckt den Fisch ab. An reinen Geschmacksstoffen gibt es nur einen, den ich recht häufig verwende, nämlich Zucker. Ca. 1 kg bis 1,5 kg auf 10 l Trockenfutter sind hier richtig. Der Zusatz von Zucker empfiehlt sich, wenn größere Fische zu erwarten sind. Besonders Brassen lieben süßes Futter.
Auf den Zusatz von Fertigfutter irgendwelcher Art verzichte ich seit einigen Jahren, da ich mehrfach negative Erfahrungen damit gemacht habe. So ändern Hersteller solcher Produkte teilweise die Zusammensetzung, so dass plötzlich ein vorher gutes Produkt ohne jede Wirkung bleibt. Außerdem steht der tatsächliche Wert solcher Mittel in keinem Verhältnis zu deren Preis, und gerade der ist für einen aktiven Wettfischer, der alljährlich mehrere Zentner Futter verbraucht, nicht unwichtig.
Eine wichtige Rolle für die Wirksamkeit eines Grundfutters spielt die Futterfarbe. Hierbei kommt dem Kontrast zwischen Farbe des Gewässergrundes und des Futters besondere Bedeutung zu. Dieser Kontrast soll zwar vorhanden, nicht aber übertrieben stark sein. Grelle Farben haben meistens eine abschreckende Wirkung und sollten vermieden werden. Ich verwende mein Futter häufig in seiner natürlichen Farbe. Halte ich es für nötig, das Futter einzufärben, so verwende ich hauptsächlich braune Farbe, gelegentlich in Verbindung mit gelber oder roter. Lebensmittelfarbe in Pulverform wird von mir verwendet, weil er sich schon zu Hause in das Trockenfutter mischen lässt.
Mindestens genauso wichtig wie alle anderen Futterzutaten ist der Lebendköderanteil im Futter. Ich verwende hier ausschließlich rote Pinkies, weil Mückenlarven in Norddeutschland nur in sehr geringer Menge vorkommen. Für 10 l Futter sind je nach Gewässer 1 l bis 2 l Pinkies angemessen. Man muss diesen Lebendfutteranteil bei der Zusammensetzung des Futters mit berücksichtigen, denn die Pinkies wirken als lebendes Trennmittel. Zum Mischen der verschiedenen Futterbestandteile verwende ich eine größere Plastikwanne. Es ist so leichter, eine vollständige Durchmischung zu erreichen, was besonders bei der Verwendung von Farbstoffen sehr wichtig.
Auch zum Anmachen des Futters am Wasser empfiehlt sich die erwähnte Plastikwanne. Man gibt das fertig gemischte Trockenfutter in die Wanne und gießt dann, unter ständigem Durchmischen, Wasser hinzu. Für 10 l Trockenfutter benötigt man etwa 3 l Wasser. Dies kann jedoch nur ein Anhaltspunkt sein, weil die Wasseraufnahme von der Beschaffenheit und Zusammensetzung der Rohstoffe abhängig ist und somit stark variiert. Die richtige Konsistenz ist erreicht, wenn sich feste Futterbälle formen lassen, diese aber unter Druck wieder zwischen den Handflächen zerrieben werden können. Das Futter sollte nach dem Anfeuchten einige Zeit stehen, um richtig durchziehen zu können. Ich mache mein Futter daher möglichst etwa eine Stunde vor Beginn des Fischens an.

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