Die Wasserwanze

Wasserwanzen
Insekten im Wasser? Unwillkürlich denkt man an die vielen Käferarten, die die Uferregion und das freie Wasser besiedeln. Vielleicht tauchen auch die räuberischen Libellenlarven vor dem geistigen Auge auf oder man denkt an die Larven der Köcherfliegen und der Zuckmücken. Aber Wanzen?
Auch umgekehrt lässt sich fragen: Rückenschwimmer, Wasserskorpione und all die anderen Übrigen, scheinbar verwandtschaftslosen Vertreter der Insekten sind durchaus allgemein bekannt. Besiedeln sie doch häufig Tümpel, Teiche und Seen unserer Landschaften. Aber dass sie zu den Wanzen zu zählen sind?
Die Rückenschwimmer gehören in der Erstbesiedlung von Gewässern zu den recht erfolgreichen Pionieren unter den Kerbtieren – einerlei ob dieses fließend oder stehend, brackig oder gar salzig ist. Schon kurze Zeit nachdem sich Regen- oder Grundwasser an einer Senke gesammelt hat, fallen sie in Begleitung der Wasserläufer scharenweise ein und werfen im Sonnenlicht ihre bizarren Schatten auf den noch nackten Gewässergrund.
Die einen sitzen geduckt auf der Wasseroberfläche und suchen diese nach Beute ab, während die anderen mit dem Bauch nach oben an ihren Beinen auf der Spiegelunterseite hängen und ebenfalls Ausschau nach tot oder halbtot auf der Wasseroberfläche treibenden Tieren halten. Sie sind folglich wie ihre Nachbarn in der Etage oberhalb ihres Lebensraumes, die Wasserläufer, gemütliche Räuber, die ihre Opfer nicht in Anstrengung verfolgen oder ihnen auflauern. Den Opfer- und Würgegriff überlassen sie dem Wasser, von dem sie dann die „Gestrauchelten“ und im letzten Überlebenskampf Erschöpften ablesen.
Nur selten durchkämmen sie den Wasserkörper nach Aussaugbarem oder hocken an den Wasserpflanzen, um vielleicht vorbeischwimmende Tiere anzufallen. Zu ihren bevorzugten Beutetieren unter Wasser gehören die verschiedenen Wasserinsekten sowie hin und wieder die Larven von Fröschen und Molchen.
Sie sind genügsam in ihren Bedürfnissen und stellen nur geringe Anforderungen an ihren Lebensraum. Das Wasser kann durchaus „leer“ sein, keine Wasserpflanzen oder andere verwertbare tierische Organismen aufweisen. Sie benötigen sie nicht, denn der Großteil der Nahrung fliegt aus der Luft ein oder stolpert vom Ufer her in ihren Fressbereich. Wenn sie kopfüber am Spiegel baumeln, leise mit den oberflächlichen Wellen schaukeln, ist dies auch die Tankstellung von Atemluft. Sie strecken das Ende ihres Hinterleibes zur Wasseroberfläche, an dem lange Haarborsten sitzen. Berührt die Abdomenspitze die Wassergrenze, entfalten sie sich zu einem Fächer. Es handelt sich um Stopphaare, die helfen, sich gegen den Wasserspiegel zu stützen und den Körper dort fest zu halten.
Nun öffnet das Tier sein mit langen Haaren besetztes Hinterende und nimmt den Luftsauerstoff auf. Da die Haare auch das Eindringen des Wassers verhindern, muss ihre Verschmutzung ständig unterbunden werden. Vielleicht lässt sich mit dieser Notwendigkeit auch erklären, warum die Rückenschwimmer ihren Kot immer nur an der Wasseroberfläche abgeben, ihn mit großer Kraft und Vehemenz in die Luft spritzen.
Welche Wichtigkeit in dieser Stellung den Kauen, Borsten und Beinen zukommt, wird durch die Überlegung deutlich, dass die mit Luft beladenen Tiere eigentlich aufgrund des spezifischen Gewichtes ihres Körpers viel leichter als Wasser sind – also durch den Auftrieb zum Aufliegen auf dem Wasserspiegel gezwungen werden müssten.
Bestätigt wird diese Überlegung dann, wenn die Rückenschwimmer sich ihren Auftrieb in den ersten aufs Wasser fallenden Sonnenstrahlen des Morgens zunutze machen und einige der Wanzen bewegungslos mit dem Rücken nach oben auf dem Wasser liegen, um für die anstehenden Tagesaktivitäten die Wärme besser im Körper aufnehmen zu können. Diese Haltung wird also nur in Ausnahmesituationen eingenommen. Ansonsten hängen sie während ihres „grauen Alltages“ eben kopfüber im Wasser und stemmen sich gegen den zähen Wasserspiegel, um nicht durch ihn hindurch zu flutschen. Und bei genauer Betrachtung bilden sich, ähnlich den Dellen unter den Füßen der Wasserläufer, um die abstützenden Klauen kleine Höcker und Beulen auf der Wasseroberfläche.
Ihr wichtiges Lokomotionsorgan sind die langen, dicht behaarten Hinterbeine, die stets seitlich abgespreizt gehalten werden. Mag der Rückenschwimmer auch versunken und gelassen wirken, so liegen die beiden Ruder zum schnellen Schlag bereit, die das Tier mit einem Blitzstart durch das Wasser treiben. Ihr Stechrüssel ist ein hervorragend ausgebildeter Saugbohrer, der auch dem Menschen empfindlichen Schmerz zufügen kann. Daher taufte der Volksmund diese Insekten auch auf den Namen „Wasserbienen“.

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