Wetterfühlige Karpfen

Wetterfühlige Karpfen
-ein Bericht von G. Bauer in „fischwaid“ Dezember 1989
Sonne, Regen, Wind, Kälte und nicht zuletzt die Wassertemperatur selbst bestimmen, ob Karpfen auf Futtersuche gehen oder nicht. Sonnenschein, Windstille und Wärme veranlassen die Karpfen, sich in den Krautbetten oder anderen Unterständen aufzuhalten. Hier verdauen Sie – vor sich hindösend – in aller Ruhe.
Nahrung nehmen sie an solchen heißen Tagen am späten Abend, in der Nacht oder am Morgen auf. Tagsüber kann man sie allenfalls mit Schwimmbrot, schwimmenden Boilies oder Krustenködern zum Beißen überreden. Karpfen lieben warmes Wasser, und sie kommen mit wenig Sauerstoff recht gut aus.
Folgt allerdings auf eine Hitzewelle ein Gewitter mit einer nachfolgenden Schlechtwetterperiode, so kann er die Nahrungsaufnahme womöglich für eine Zeit gänzlich einstellen. Schuppenkarpfen machen solche Wetterveränderungen noch am wenigsten aus, und sie gehen hier und da auch bei den genannten Witterungsverhältnissen an den Haken.
Im Frühjahr und im Sommer spielt der Wind eine große Rolle beim Beißverhalten der Fische. Mit dem Wind werden viele Kleinlebewesen angetrieben und locken die Fische – auch die Karpfen – mit sich. Viele Angler fischen am liebsten auf der dem Wind abgekehrten Seite. Das ist zwar bequem, jedoch nicht sehr erfolgreich. Die dem Wind zugekehrte Uferseite ist meist die fängigere.
Ich habe es selber mehrmals erlebt, als ich mit dem Boot an flacheren Sandbänken fischte. Der Wind drehte von Nord auf Süd. Und bald zogen Schwärme von kleineren Fischen unter meinem Boot fort. Im Schlepp hatten sie ihre größeren Kollegen. Ich sah Karpfen, die gut und gerne an die 30-Pfund-Marke herankamen.
Durch die veränderten Witterungsverhältnisse bekam ich keinen einzigen Biss mehr. Die Karpfen zogen über meinen Maisköder hinweg, ohne ihn auch nur im geringsten zu beachten. Wohl oder übel war ich gezwungen, meinen Standort zu wechseln…und hatte am Nordufer nach kurzem Anfüttern wieder Erfolg.
In der kälteren Jahreszeit, etwa ab Mitte Oktober, ziehen sich die Karpfen in tiefere Gewässerregionen zurück. Sie hier zu finden, ist nicht so einfach. Angler, die an den von ihnen befischten Gewässern Erfahrungen und Erkenntnisse über die jeweiligen Karpfenstandorte gesammelt haben, sind eindeutig im Vorteil. Aber auch in der kälteren Jahreszeit gibt es glücklicherweise noch warme Sonnentage. Die Karpfen nutzen die letzten Sonnenstrahlen. Oftmals findet man sie während der Mittagszeit nun wieder in flacheren Gewässerzonen und kann sie manchmal beim Durchbrechen der Wasseroberfläche beobachten. In dieser Zeit haben sich vor allem Hochproteinköder, Boilies, hervorragend bewährt.
Selbst bei Wassertemperaturen von rund 5 Grad Celsius und Randeisbildung hat man mit diesen Ködern meistens dann noch Bisse, wenn andere Versuche ohne Erfolg bleiben. Selbstverständlich muss auch in der kälteren Jahreszeit noch – sparsam – mit Boilies angefüttert werden, um die Fische launig zu halten.

Dieser Beitrag wurde unter 25 Jahre Karpfen, Berichte seit 1986-Wie fing es an?- veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.