Waffe und Visitenkarte – Die Flosse –

Waffe und Visitenkarte – Die Flosse –
Flossen sind durch Hart- und Weichstrahlen gestützte Hautfalten. Die Fische können bekanntlich damit schwimmen, springen, sich abstützen, drohen oder eine Laichgrube schlagen und noch mehr. Für den Angler sind ihre Form und die Anzahl der Flossenstrahlen durch die er ähnlich aussehende Fische unterscheiden kann.
Die Lage und Funktion der Bauch- und Brustflossen ist vielseitiger, als schlechthin angenommen. Man kann damit einzelne Fischfamilien erkennen. Die Stellung der bauchständigen Flossen bezeichnet man als Normallage, sie kommt bei den Forellen und Karpfen vor. Die barschartigen erkennt man an den brustständigen Bauchflossen, sie liegen unterhalb der Brustflosse. Noch weiter vorne befinden sie sich bei den Schellfischen, so zum Beispiel bei der Rutte – dem einzigen Vertreter dieser Art im Süßwasser. Bei dieser Fischart liegen die kehlständigen Bauchflossen vor den Brustflossen. So kann der Hecht durch das feine Spiel dieser Flossenpaare seitlich und rückwärts schwimmen. Anhand der Bauchflossen lassen sich Männchen und Weibchen unterscheiden. So hat der Milchner bei der Schleie größere als der Rogner. Das Männchen der Barbe verfügt über einen stark aufgetriebenen Ansatz der Bauchflosse gegenüber dem Weibchen. Beim Aal geht die Entwicklung noch weiter, denn bei ihm fehlen die Bauchflossen gänzlich.
Die Rückenflosse als Waffe
Zur Stabilisierung der Körperhaltung dienen die Rücken- und Afterflossen, Die Fahne der Äsche ist für sie ein großes Hilfsmittel in der starken Strömung. Wenn sie beim Drill die Rückenflosse aufstellt, merkt man dies am starken Zug an der Angelrute. Barsch und Zander geben ein schönes Beispiel für die unterschiedlichsten Rückenflossen. Die erste ist mit Stacheln gestützt, die zweite durch „gefiederte“ Strahlen. Beim Stichling fehlen an der Rückenflosse die Verbindungshäute. Er trägt Stachelstrahlen, die er einzeln zur Drohhaltung und Verteidigung bewegt.
Beim Laichen kommt oft die Schwanzflosse zum Einsatz. Mit ihr schlagen die Forellen und Huchen ihre Laichgruben. Die Afterflosse gibt dem Laich die nötige Strömungsrichtung und hilft, dass eine hohe Befruchtungsrate zustande kommt. Die Schwanzflosse ist zudem gleichzeitig Steuer und Heckantrieb, denn die Vorwärtsbewegung erfolgt hauptsächlich durch sie, weil sie mit ihrer großen Fläche das Wasser wegdrückt. Besonders beim schnellen Schwimmen legt der Fisch die paarigen Flossen an, um möglichst geringe Reibung zu haben. Der pfeilförmige Hechtkörper ist ein gutes Beispiel für das stoßartige Schwimmen. Die nach hinten verlagerte Rückenflosse vergrößert mit der After- und Schwanzflosse die Antriebsfläche, dadurch kann der Fisch vom Standplatz weg stark beschleunigen. Für das regungslose Lauern am Grund reicht eine kleine abgerundete Schwanzflosse, wie sie die Aalrutte hat.
Schnelle Fluchten
Bei der Schwimmgeschwindigkeit der Fische unterscheidet man zwischen einer Dauergeschwindigkeit und der Höchstgeschwindigkeit, die man beim Drill erlebt. Dabei erreicht der kampfstarke Karpfen nur zwölf Stundenkilometer, ein Hecht ist etwa doppelt so schnell, ein Lachs kann bereits auf 35 Stundenkilometer kommen. Zu den „Flitzern“ mit einer Geschwindigkeit bis zu 75 Kilometern in der Stunde zählt der Thunfisch.
Wenn Kleinfische aus dem Wasser springen oder Forellen Insekten in der Luft fangen, ist dies auf eine Bewegung der Flossen zurückzuführen. Besonders eindrucksvoll sind die hohen Sprünge der Lachse und ihre schnellen Fluchten beim Überwinden der Wasserfälle. Bei diesen Leistungen kann man sich vorstellen, welche Kraft in den Flossen steckt.
H. Fischer
Quelle: Allgemeine Fischereizeitung „fischwaid“ 11/1988

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