Es wird Winter: „Eisangeln“

Eisangeln
Dort, wo es erlaubt ist, finden sich jeden Winter unerschrockene Angler ein, um auf zugefrorenen Seen oder Talsperren das Eisangeln auszuüben. Besonders der Barschangler kommt in der kalten Jahreszeit zu guten Fängen, lassen sich doch die Stachelritter durch „Tunkfischen“ nun auch dort überlisten, wo im Sommer ein Boot notwendig war, um erfolgreich zu sein.
Im Winter bei starken Minusgraden lassen sich – eine gut tragende Eisdecke ist Grundvoraussetzung – alle Angelstellen zu Fuß erreichen. Und obwohl der Barsch sicher einer der beliebtesten „Eisfische“ ist, sollte auch den anderen Raubfischen (Hecht, Zander) Beachtung geschenkt werden, denn nicht selten lassen sich diese Räuber mit der richtigen Methode überlisten. Bei den Friedfischen ist das Rotauge im Winter Hauptbeute. An tiefen Stellen beißen aber auch Brassen, Döbel und vereinzelt sogar Karpfen.
Risiko vermeiden
Wie schon erwähnt, sollte man nie zu dünnes Eis betreten. Leichtsinn kann hier tödlich sein! Wenn man das Gewässer nicht kennt, ist es unbedingt anzuraten, sich bei einheimischen Anglern zu erkundigen, ob und wo man gefahrlos das Eis betreten kann.
Um spätere gesundheitliche Folgen zu vermeiden, sollte man auf spezielle Winterkleidung nicht verzichten: Auch wenn die Mittagssonne lockt, ist zu bedenken, dass man auf dem Eis relativ wenig Bewegung hat. Ist die Kälte einmal durch, ist der Angeltag meist schneller beendet als man glaubt. Am besten eignet sich hierfür Thermokleidung, wie sie im Fachhandel angeboten wird. Darüber entsprechend dicke Hosen und Pullover, dazu eine Winterjacke und – sehr wichtig – eine Mütze.
Bei der Kleidung braucht man jetzt auch nicht wählerisch zu sein und nach Tarnfarben zu suchen. Der Fisch kann den Angler nicht sehen und lässt sich so auch nicht von einer blauen oder roten Jacke beeinflussen. Wichtig ist nur, dass die Kleidung über einen längeren Zeitraum warm hält.
„Wo und wie“ angeln
Hat man das Wasser erreicht, stellt sich die Frage nach dem besten Angelplatz. In der Regel stehen die Fische im Winter in den tiefen Regionen der Gewässer, und entsprechend sollte man auch hier angeln. Ist man fremd am Gewässer, sollte man Ausschau nach dicht beieinander liegenden Löchern halten. Hier angeln meist Einheimische, die die Standplätze der Fische genau kennen. Sind solche Plätze nicht auszumachen, sollte man sich eine Tiefenkarte des Gewässers besorgen und nach dieser seine Wahl treffen.
Ist der Angelplatz gefunden, gilt es, ein Loch in das Eis zu bekommen. Hierbei bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Am einfachsten geht es wohl mit einem Eisbohrer, der im Fachhandel angeboten wird. Diese speziellen Bohrer sind zwar sehr zweckmäßig, aber oft nicht billig. Außerdem ist das Loch, welches der Bohrer ins Eis frisst, gerade bei Hecht oder Zander, manchmal sogar bei Barsch, nicht groß genug. Hier lässt sich aber leicht Abhilfe schaffen. Man bohrt einfach vier Löcher dicht nebeneinander, so dass ein Quadrat entsteht. Das verbleibende „Eiskreuz“ in der Mitte lässt sich leicht ausbrechen. So hat man in kurzer Zeit ein genügend großes Loch gefertigt.
Mehr Schweiß erfordert das Hacken mit einer Axt oder einem Beil. Trotz des hierbei entstehenden Lärms – die Fische scheinen im Winter nicht so stark darauf zu reagieren – ist dies eine Methode, die sich recht gut bewerkstelligen lässt. Bereits vorhandene Löcher lassen sich mit einem Beil schnell wieder öffnen.
Nicht selten kann man Angler beobachten, die ihr Loch mit einer Motorsäge erstellen. Dies ist aber gerade auf nicht zu dickem Eis eine sehr gefährliche Methode. Um das Loch eisfrei zu halten, benötigt man eine Schöpfkelle oder einen Schaumlöffel. Auf keinen Fall sollte man dazu die Hände benutzen, da kalte, steifgefrorene Finger gerade beim Eisangeln zu vermeiden sind.
Die Winter – Fische
Beim Eisfischen werden hauptsächlich Rotaugen in ansehnlichen Stückgewichten gefangen. Da die Fische im Winter nicht mit der Vehemenz wie im Sommer beißen, ist leichtes Geschirr empfohlen. Am besten angelt man mit einer leichten, kurzen Spinnrute und einer Laufpose mit einer Tragkraft von etwa 1g. Dazu kommt eine 15er Hauptschnur und ein 12er Vorfach mit Haken in den Größen zwischen 14 und 18, je nach Beißlaune.
Das Ausloten im Eisloch ist sehr einfach: Das Geschirr wird mit dem Lot versehen und vor den Füßen hinabgelassen. Nun wird so eingestellt, dass der Köder wenige Zentimeter über dem Grund schwebt. Als Köder dienen Maden, Mais, Weizen oder Teig. Äußerst wichtig ist auch im Winter das Anfüttern. Gefüttert wird nach dem Grundsatz: „Mäßig, aber regelmäßig“. Am besten eignen sich Ballen in Taubeneier-Größe.
Zu bedenken ist, dass auf einem sehr begrenzten Raum geangelt wird. Aus diesem Grund muss sehr schweres Futter gewählt werden, damit es möglichst senkrecht zum Grund gelangt. Treibt zu leichtes Futter durch eine Unterströmung ab, steht der Fisch abseits des gewählten Angelplatzes, und man wartet vergeblich auf einen Biss. Mit dieser Methode lassen sich auch die anfangs erwähnten Cypriniden, wie Brassen, Döbel oder Karpfen, fangen.
Bei den Raubfischen ist der Barsch Hauptbeute am Eisloch. Ihn erbeutet man mit Würmern, Maden oder kleinen Köderfischen, welche ebenfalls kurz über Grund angeboten werden. Auch hier sollte eine leichte Ausrüstung gewählt werden.
Angeln mit der „Pimpelrute“
Eine weitere Eisangel – Methode, besonders in Nordeuropa beliebt, ist das Angeln mit der Pimpelrute. Die Pimpelrute ist eine speziell für das Eisangeln entwickelte Gerte, die rund 30 cm lang ist und eine fest eingebaute Rolle besitzt. Mit ihr werden Tunkfische, Minipilker und Barschzocker angeboten.
Unbedingt nötig ist die Pimpelrute allerdings nicht, denn auch mit einer Spinnrute von etwa 180 cm Länge lässt es sich recht gut tunken. Den großen Räubern Hecht und Zander bietet man tote Köderfische am Grund an. Geangelt wird mit der normalen Hecht- oder Zanderausrüstung. Die Rutenlänge sollte aber 210 cm nicht überschreiten, da man sonst nicht richtig drillen kann.
Kommt es beim Drill zu rasanten Fluchten und besteht die Gefahr, dass die Schnur an der unteren Eiskante scheuert, hält man einfach die Rutenspitze unter Wasser und verhindert somit ein Durchscheuern der Schnur. Für die Landung eines größeren Räubers wird ein Gaff benötigt. Es gibt zwar die Möglichkeit der Handlandung, aber dies würde wieder kalte Finger bedeuten. Den Unterfangkescher kann man am Eisloch nicht verwenden.
Nach einem hoffentlich erfolgreichen Eisangel – Tag sollte man unbedingt daran denken, den Angelplatz deutlich sichtbar zu kennzeichnen. Dadurch kann verhindert werden, dass Spaziergänger oder Schlittschuhläufer in ein vielleicht nur dünn überfrorenes Eisloch einbrechen.
D. Schröder
Quelle: Allgemeine Fischerei-Zeitung „fischwaid“ Januar 1989

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