Die Ringelnatter

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Die Ringelnatter
Die Ringelnatter ist die bei uns am häufigsten und auch auffälligste Schlange. Schon auf den ersten Blick erkennt man sie an den hellen, halbmondförmigen Flecken hinter ihren Kopf. Trotzdem bekommt man sie auf Grund ihrer heimlichen Lebensweise relativ selten zu sehen.

Unauffällig und geschmeidig vermag sie sich in der Deckung von Gräsern, im Wasser überhängenden Büschen und Bäumen, oder im Schilf zu bewegen. Mühelos schwimmt und taucht sie in den Gewässern – sind dies doch die Grundprinzipien ihres Nahrungserwerbs. Bevorzugt stellt sie den Larven und bereits entwickelten Tiere der Molche und Frösche nach. Eine Abwechslung im Speiseplan verschafft sie sich manchmal durch die Jagd auf kleine Fische oder ganz selten mit einer erbeuteten Maus.
Durchschnittlich werden die Weibchen bis zu 85 cm, die Männchen dagegen nur ca. 70 cm lang. Doch wird auch hier von geradezu imposanten Tieren berichtet. So erreichte die bisher längste, im ehemaligen Jugoslawien gefangene, weibliche Ringelnatter eine Länge von sagenhaften 205 cm!
Ausgewachsene Ringelnattern müssen zur Sicherheit ihrer Existenz höhere Ansprüche an die Größe ihres Lebensraumes stellen, so dass ihre Reviere über den engeren Bereich eines Tümpels hinausgehen. Gerne durchstreifen sie dann mehrere Gewässer, vorausgesetzt natürlich, dass sie nicht zu weit auseinanderliegen. Solche Bedingungen lassen sich im intensiv bewirtschafteten Mitteleuropa nur selten finden.
Eigentlich ist man geneigt zu sagen, dass die Ringelnatter ein zurückhaltendes Leben führt. Wird sie zum Beispiel überrascht, und sind ihr die Möglichkeiten zur Flucht genommen, versucht sie eher durch Beeindrucken als durch bissige Angriffe ihre Haut zu retten. Mit kräftigem, durchaus imponierendem Zischen und Scheinschnappen soll die Gefahr gebannt werden. Um die vorgetäuschte Gefährlichkeit zu komplettieren, werden Stinkdrüsen entleert, kotet sie und würgt darüber hinaus in seltenen Fällen sogar kurz zuvor verschlungene Nahrung wieder aus. Doch lassen sich Fressfeinde, wie Bussard, Storch oder Reiher, Iltis, Igel, Hecht und Barsch, nur selten durch dieses Schauspiel beeindrucken. In ihrer bedrängten Lage unternimmt die Ringelnatter gelegentlich einen weitergehenden Versuch. Sie dreht die Pupillen zum unteren Augenrand, öffnet zitternd das Maul, die Zunge hängt unbeweglich heraus, und der gesamte Körper erschlafft augenblicklich. Um diesem Erscheinungsbild auch den letzten Hauch von tödlicher Wirklichkeit zu verleihen, sammelt sich in dem weitgeöffneten Maul ihr mit Blut vermengter Speichel. Über eine halbe Stunde vermag sie in dieser, schwerste Verletzungen und Tod demonstrierenden Haltung auszuharren, um dann, wenn sich die Gefahr abzuwenden scheint, innerhalb weniger Sekunden in blitzschneller Flucht zwischen den Pflanzen zu verschwinden.
Ebenso unauffällig leise und heimlich geht die Ringelnatter auf Pirsch. Mit Augen- und Geruchssinn versucht sie die Beute auszumachen. Ihr Gehör dagegen ist nutzlos, denn es ist, wie bei allen Schlangen, stark zurückgebildet. Sollte ein Frosch die Natter auf ihrer Jagd in seiner Nähe bemerken, bleibt er augenblicklich regungslos sitzen. Seine Überlebenschance besteht in der Bewegungslosigkeit, um die Natter nicht auf sich aufmerksam zu machen. Die Beobachtung dieses Verhaltens ließ eine der vielen um die Ringelnatter gesponnenen Dichtungen entstehen. Die Schlange, so hieß es, sei befähigt, den Frosch zu hypnotisieren, um in wehr- und willenlos zu verschlingen. Doch handelt es sich hierbei nur um eine, manchmal durchaus lebensrettende Taktik des Frosches.
Die Erdkröten wiederum besinnen sich auf einen anderen Trick, Sie stellen sich auf allen Vieren hoch empor und blasen sich mächtig auf. Durch diese Vergrößerung ihres Körpers möchten die den Eindruck erwecken, trotz Appetitlichkeit eine zu große Portion für die Schlange zu sein.
Einmal zwischen die Kiefer der Ringelnatter geraten, ist der Tod für Frosch, Kröte oder Molch nur eine Frage der Zeit. Selbst die Befreiungsversuche des Frosches durch das Stemmen seiner großen, kräftigen Sprungbeine gegen das packende Maul der Natter sind vergeblich gegen das packende Maul der Natter sind vergeblich und geben ihm die Freiheit nicht wieder zurück.
Um sich die relativ große Beute einverleiben zu können, verfügt die Ringelnatter über ein dehnbares Kopfskelett. Sie vermag ihren Kiefer auszurenken und schiebt sich durch dessen abwechselndes, seitliches Abheben langsam über das erjagte Tier. Ziehende Bewegungen des Magens unterstützen ihren Schlingakt. Der Körper der Ringelnatter dehnt sich nun so stark, dass die einzelnen Schuppenreihen auseinandertreten und die bloße Haut sichtbar wird. Nach gelungener Mahlzeit reißt sie dann noch einmal, wie zum Gähnen, ihr Maul weit auf, um den Kiefer wieder einzurenken.
Die beinlosen, geschmeidigen Bewegungen, die gekonnte Heimlichkeit, ihre starken, lidlosen Augen und der faszinierende Schlingakt müssen die Phantasie der Menschen schon seit jeher beflügelt haben. Es wurde einst ernsthaft behauptet, dass sie sich gerne in die Ställe schleiche, sich dort am Euter der Kühe verbeiße, um deren Milch vollständig zu entsaugen. So muss die Schlange ihre eigentlich hervorragenden Anpassungen an ihren Lebensraum im und am Wasser häufig auf den Grund unrealistischer Ängste mit dem Tod bezahlen.
Die Ringelnatter steht in der BRD unter „Vorwarnung“ einer bedrohten Tierart auf der Roten Liste.

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