Der „Lac de St. Cassien“ 1989

Was wusste man im Jahre 1989, also vor 25 Jahren, über den „Lac de St. Cassien“?
Ein Artikel in der „fischwaid“ von 1989 von D. Dörr erlaubt einen kleinen Einblick über die „Anfänge“ am Lac de St. Cassien.
-Der See der großen Karpfen-
Wenn vom „See der großen Karpfen“ geredet wird, weiß der eingeweihte Angler: Gemeint ist der legendäre Lac de St. Cassien. Das in der Nähe von Nizza liegende Großkarpfengewässer ist 1986 als Trinkwasserreservoir für die Cóte Azur entstanden. Das Tal bei Montauroux wurde – gerodet und der Fluss angestaut.
Nun ist auch klar, weshalb der See wegen der vielen Hänger so gefürchtet ist. Die Größe des Stausees beträgt rund 450 Hektar, seine Tiefe schwankt zwischen 3 und 50 m, und die Uferlänge umfasst etwa 66 Kilometer.
Anfang 1968 wurden ungefähr 70 Brutkarpfen zwischen 15 und 21 Pfund eingesetzt. Auch Hechte, Brassen, Schleien, Schwarzbarsche und andere Arten wurden heimisch gemacht. Jährlich kommt ein ansehnlicher Neubesatz hinzu. Um Verluste durch den großen Hechtbestand zu vermeiden, setzt man nur fünf- bis siebenpfündige Karpfen nach.
Das Gewicht der gefangenen Karpfen beträgt im Durchschnitt stolze 20 bis 30 Pfund. Exemplare von über 50 Pfund werden auch im Großkarpfenparadies Lac de St. Cassien selten gefangen. Der größte – er wog 35 Kilogramm und 70 Gramm – ging 1987 dem Engländer Dave Walker an den Haken.
Die besten Fangzeiten sind im April und Mai sowie im September und Oktober. Die Sommermonate eignen sich nur bedingt zum Fischen: Surfer, Badegäste und Touristen bevölkern dann in Scharen Wasser und Uferbereich.
Ohne gute Vorausplanung, Boot, Futter und ordentliches Gerät ist das Befischen des Sees so gut wie aussichtslos. Boote können direkt am See gemietet werden. Die Futterauswahl bleibt jedem selbst überlassen. Zur Anwendung kommen meist Partikelköder – Mais, Kichererbsen, rote Kidneybohnen – und Boilies.
Als Gerät haben sich Karpfenruten bester Qualität in den Längen 12 bis 13 ft und einer Testkurve zwischen 2 ¼ und 2 ½ Ib. Rollen mit einem Schnurfassungsvermögen von 200 bis 250 Meter 0,35er Schnur und Präzisionshaken der Größen 2 bis 4 bestens bewährt. Hänger gehören zum Anglerleben. Bleie müssen deshalb in ausreichender Menge vorhanden sein. Die besten Erfahrungen wurden mit Anti – Tangle – Bleien gemacht, mit denen der unvermeidbare Bleiverlust gehalten werden kann.
Fischereierlaubnisscheine erhält man an mehreren Stellen. Zu empfehlen ist hier das Restaurant „les Gois de Callian“, wo man auch gleich mündliche „Cassien-News“ bekommen kann. Der Preis für eine Jahreskarte beträgt etwa 60.- DM. Es darf mit drei Ruten in der Zeit von 1 ½ Stunden vor Sonnenaufgang bis 1 ½ Stunden nach Sonnenuntergang gefischt werden.
Grundsätzlich besteht in Frankreich Nachtangelverbot.
Für den Lac de St. Cassien gelten jedoch noch strengere Bestimmungen. Lagerfeuer und Campen sind – wegen der besonderen Brandgefahr – verboten. Zum Glück drückt man bei den Schirmzelten ein Auge zu. Wer sich an die bestehenden Regeln hält, hat nichts zu befürchten. Grobe Nichtbeachtung (z.B. offenes Feuer) wird hart bestraft.
Die Gastfreundschaft der Franzosen ist sprichwörtlich. Jedoch muss man auch hier damit rechnen, dass einsam abgestellte Autos aufgebrochen werden oder verschwinden. Wichtige Gegenstände sollte man deshalb nicht im Auto zurücklassen.
Zum Schluss noch eines: Vor den Erfolg haben die Fischgötter am Lac de St. Cassien das Warten gesetzt. Wenn ein erfolgversprechender Platz z.B. der Beginn einer Sandbank, gut angefüttert ist, kann es trotzdem Tage dauern, bis endlich der ersehnte Großkarpfenbiss kommt. Die im Wasser befindlichen Baumstümpfe und Büsche helfen den gehakten Karpfen, so gut sie eben können. Darüber hinaus gehören Spinnen, Skorpione, Schlangen, wild streunende Hunde und Wildschweine fast zu den alltäglichen Begegnungen.
Dennoch: Der erste Karpfenbiss lässt alle Bedenken und Widrigkeiten vergessen. Man muss die Launen des Sees einfach gelassen hinnehmen. Irgendwann schenkt er dann dem Angler großzügig einen seiner Riesenkarpfen.

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