Die Kiemenfäule bei Karpfen -anno 1948-

Die Kiemenfäule bei Karpfen, Schleien und Hechten
– September 1948- (und noch immer aktuell)
Von Dr. H. Mann
Im Hochsommer nach besonders heißen Tagen, wenn das Wasser 23 °C und mehr aufweist, tritt häufig in Seen und Teichen die Kiemenfäule bei unseren einheimischen Fischen, insbesondere bei Karpfen und Hechten auf. Sie ist seit etwa 15 Jahren bekannt und hat schon viele verlustreiche Fischsterben hervorgerufen.
Wir kennen zwei Formen von Kiemenfäule: Die eine kommt bei Karpfen und Schleien vor, die zweite kennen wir von Schleien und Hechten her. Beide Formen unterscheiden sich nur wenig voneinander. Der Erreger, ein Algenpilz, wuchert und wächst in den Blutgefäßen der Kiemenbögen und Kiemenblättchen und verstopft sie auf diese Weise. Bei stärker erkrankten und abgestorbenen Fischen bilden sich in den Pilzschläuchen kleine kugelige Fortpflanzungskörper, die man Sporen nennt. Dadurch, dass die Blutversorgung durch die Pilzschläuche gestört wird, verfärben sich die Kiemenblättchen und werden teils weislich, soweit sie blutleer sind, teils schwärzlich rot, wenn sie mit Blut angefüllt sind. Allmählich sterben die infizierten Teile der Kiemen ab, verpilzen mit Saprolegnia und fallen ab, wodurch die Sporen frei werden und weitere Fische infizieren können. Wird die Krankheit überstanden, so kann man noch im nächsten Jahr an den Kiemen die herausgefallenen Teile, die wie herausgeschnitten aussehen, beobachten. Allmählich werden die entstandenen Lücken in den Kiemenblättern wieder neu gebildet. Bei Karpfenbrut geht die Regeneration wesentlich schneller als bei älteren Fischen.
Die Kiemenfäule gehört zu den verheerendsten Krankheiten in der Teichwirtschaft. Sie befällt meist nur eine Fischart, oft sogar nur bestimmte Altersklassen, doch können dann dort die Verluste 50 und mehr Prozent betragen.
So plötzlich wie die Krankheit auftritt, so schnell kann sie auch wieder verschwinden. Meist ist der Höhepunkt nach 2-3 Tagen schon erreicht, wenn sich die Krankheit nicht schon vorher mit einer Futterverweigerung angezeigt ist.
Wie viele Beobachtungen ergeben haben, können verschiedenartige Umstände das Auftreten der Kiemenfäule begünstigen. Fest steht, dass besonders gute, d.h. nährstoffreiche Teiche in erhöhtem Maße gefährdet sind. Ist das Wasser durch Gründüngung, durch geschnittenes Schilf oder sonstige Düngung besonders reich an organischen Stoffen, scheint sich der Pilz auch besonders gut zu entwickeln. In solchen Teichen ist durch die Assimilation der grünen Pflanzen dann auch der Sauerstoffgehalt sehr hoch, was dem Pilz ebenfalls besonders gut zu behagen scheint, wie auch aus seinem Vorkommen in den Kiemen hervorgeht. Schließlich begünstigt dichter Fischbesatz ebenfalls die Ausbreitung und Verschleppung der Seuche.
Als Bekämpfungsmaßnahmen sind zu empfehlen: Einstellung der Fütterung bei allzu heißem Wetter, Zuleitung kühlen Wassers, Verhütung von organischer Verunreinigung und der zu großen Ansammlung von organischen Stoffen im Wasser. Häufig wird ein Ausstreuen von gemahlenem Brandkalk empfohlen, doch ist nicht immer erwiesen, ob beobachtete Erfolge nicht auch ohne Kalk zu verzeichnen gewesen wären. Auf alle Fälle müssen die Teiche, in denen erkrankte Fische gewesen sind, gründlich trockengelegt und mit Brandkalk behandelt werden.
In fließenden Gewässern ist die Kiemenfäule bisher noch nicht beobachtet worden, in Seen dagegen schon des Öfteren, wo durch sie dann auch größere Verluste hervorgerufen wurden.
Aus: „Die Fischwaid“ September 1948

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