Mit rollendem Bodenblei -1980-

Mit rollendem Bodenblei -1980-
Das Grundangeln mit rollendem Bodenblei zählt zu den altbewährten Angelmethoden. Wie bei allen Formen des Grundangelns haben sich auch beim rollenden Bodenblei Verbesserungen durchgesetzt, die sowohl die Fängigkeit erhöhen als auch die Einsatzbreite vergrößern. Früher bestand das rollende Bodenblei aus einer durchbohrten Bleikugel oder Bleiolive, die direkt auf die Schnur gezogen wurde. Ein Stopper im Abstand von 30 bis 80 cm vom Haken begrenzte den Spielraum des Bodenbleis. Man warf quer zur Strömung aus und ließ das Blei stromabwärts rollen. Der Weg, den es dabei durchlief, führte in einem Kreisbogen zum eigenen Ufer zurück. Eingesetzt wurde das rollende Bodenblei in schnell fließenden Gewässern an Stellen mit einigermaßen hindernisfreiem und festem Grund.
Abgesehen von den begrenzten Einsatzmöglichkeiten ist das Grundangeln mit rollendem Bodenblei in dieser Form mit den bekannten Mängeln behaftet. Die Reibungswiderstände, die auftreten, wenn die Schnur beim Anbiss eines Fisches durch das Bodenblei gezogen werden soll, setzen die Fängigkeit herab und erschweren die Bissanzeige. Die groben Gewichtsabstufungen, in denen Kugel und Olive nur zu haben sind, lassen die Wahl der optimalen Beschwerung zum Problem werden. Ist das Blei zu schwer, geht das Gefühl für die Verbindung mit dem Köder verloren. Ist es zu leicht, wird es zu schnell von Strömung mitgenommen, so dass der Köder nicht mehr natürlich angeboten wird. Schließlich lässt es sich nicht immer vermeiden, dass sich das Blei unlösbar festsetzt. Das bedeutet Verlust von Gerät. Passiert das gar während des Drills, gehen Fisch und Gerät verloren.
Alle diese Mängel lassen sich durch Verwendung eines beweglichen Seitenarmes, bestückt mit Spaltbleien, vermeiden. Die Schnur läuft nahezu unbeeinflusst durch eine Wirbelöse des Seitenarms. Da der Fisch beim Anbiss keinen besonderen Widerstand spürt, wird er ohne Misstrauen den Köder aufnehmen. Das Ergebnis ist eine gleichmäßige Bissanzeige, die sich leicht mit einem Anschlag beantworten lässt. Hänger lassen sich ohne Verlust von Fisch und Gerät leicht lösen, da sich die Spaltbleie durch einen kräftigen Zug abstreifen lassen.
Von besonderer Bedeutung ist wiederum die richtige Bemessung der Bleibeschwerung. Nach dem Einwurf sollen Blei und Köder den Grund erreichen und langsam mit der Strömung abtreiben, bis sich das Blei festsetzt. Durch einen leichten Zug an der Schnur, etwa durch Anheben der Rute, soll sich das Blei (und mit ihm der Köder) weiterbewegen, bis es erneut liegenbleibt. Das Gewicht der Bleibeschwerung hängt ab von der Länge der im Wasser befindlichen Schnur, der Schnurstärke und der Stärke der Strömung. Richtig gewählt, wird sich das Blei langsam und mit Unterbrechungen fortbewegen, bis es sich festsetzt. Die bei Verwendung von Spaltbleien möglichen feinen Gewichtsabstufungen und ihre leichte Veränderbarkeit lassen den Vorteil dieser Bebleiung hierbei besonders deutlich werden.
Bisher wurde das erfolgverheißende Köderangebot am Grunde beachtet. Manche Fische, wie z.B. der Brachsen, nehmen den Köder aber auch während des Absinkens an. Voraussetzung ist, dass der Absinkvorgang nicht zu schnell verläuft. Von den Faktoren, die das Gewicht des Bleies bestimmen, lässt sich nur die Schnurstärke verändern. Eine dünnere Schnur braucht weniger Blei, und das wiederum lässt den Köder langsamer zum Grund absinken, ohne dass die Wurfweite darunter leidet.
Ideal für den Einsatz des rollenden Bodenbleies sind Gewässerstrecken mit sandig-kiesigem Untergrund, Aber selbst leicht bewachsene Strecken lassen nicht so leicht zum Verhängen neigt. In rasch strömenden Gewässern bilden sich häufig schmale Rinnen zwischen den Pflanzenbetten, die gern von den Fischen aufgesucht werden. Das Grundangeln mit dem rollenden Bodenblei ist wohl die einzige Methode, die hier wirkungsvoll eingesetzt werden kann. Die Technik muss natürlich anders sein. Wir werfen die Rinne direkt an und senken die Rute bis das Blei wieder in Bewegung gesetzt. Es rollt auf dem Grund der Rinne ein Stück weiter. Das wiederholen wir, bis die ganze Strecke beangelt ist.
Es ist bekannt, dass vor allem der große Brachsen sehr scheu ist und nur sehr vorsichtig den Köder nimmt. Häufig wird überhaupt nur ein Köder angenommen, der langsamer als die Strömungsgeschwindigkeit am Grunde abtreibt. Stehen die Fische in Ufernähe, wird am besten zur Posenangel gegriffen. Die Pose wird verhalten geführt, am wirkungsvollsten an verkürzter Schnur. Nun stehen aber im Sommer in Flüssen mit schwacher bis mittlerer Strömung die Brachsen gern weit draußen im Strom. Hier sind sie, nur mit der Bodenbleiangel zu erreichen. Der erste Versuch kann mit dem festliegenden Bodenblei unternommen werden. Oft wird aber nur der langsam abtreibende Köder, angeboten mit dem rollenden Bodenblei, zum Erfolg führen.
Plötzenangeln in großen Flüssen kann problematisch sein, dass es hier keine sichtbaren Zeichen für ihre Standplätze gibt. Besonders in Strecken mit gleichmäßiger Tiefe treffen wir häufig keinen dichten Schwarm an, sondern die Plötzen stehen recht verteilt. In diesem Fall müssen wir die Fische mit unserem Köder förmlich suchen. Die weitaus beste Methode ist wiederum das Grundangeln mit rollendem Bodenblei. Wir gehen dabei nach folgender Taktik vor: Der erste Wurf geht quer zur Strömung, und das Blei rollt bei gleichbleibender Schnurlänge in einem Kreisbogen zum Ufer zurück. Der nächste Wurf wird etwas weiter stromabwärts gesetzt. Nach einigen Würfen verlegt der Angler seinen Standplatz ein paar Meter stromab, um dann erneut auszuwerfen.
-Deutscher Angelsport- Juli 1980 Heft 7-

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