Umweltschutz -schon 1985 ein großes Thema-

Umweltschutz
Im mitteleuropäischen Raum gibt es nur noch wenige in ihrem ursprünglichen Zustand erhaltene Gewässer. Gewässer, Gewässerverschmutzung und wasserbauliche Eingriffe haben die Fischbestände in schwerster Weise geschädigt. Laichplätze, Brutreviere und Fischunterstände wurden und werden weiterhin großflächig vernichtet, Biotope grundlegend verändert. Das Studium alter Schriften, in denen über die geradezu unglaublichen Fischvorkommen unserer Flüsse und Seen berichtet wird, macht deutlich, welchen Verlust die Fischerei erlitten hat. Im ausgehenden Mittelalter sollen angeblich die Fänge von Lachsen aus dem Rhein derart ergiebig gewesen sein, dass sich das Gesinde dieser Region vor Anstellung ausbedungen hat, nicht öfter als zweimal in der Woche Lachs essen zu müssen. Der einstige Fischreichtum und die Wirklichkeit heute – dieser krasse Gegensatz könnte durch kein Beispiel besser zum Ausdruck gebracht werden.
Mittlerweile ist Gewässerschutz als gesamtgesellschaftliches Anliegen erkannt. Täglich kann man lesen und hören, wie wichtig die Erhaltung der Umwelt für uns und unsere Kinder ist. Auch fehlt es nicht an klugen Ratschlägen, was zu tun oder besser zu lassen sei. Kommissionen in unübersehbarer Zahl brüten über einschlägigen Programmen, globale Forderungen sind in aller Munde. Hektische Bewegung ist in Gang gekommen. Die Anliegen der Umwelt zu vertreten ist Mode geworden. Jedem Politiker eröffnet sich plötzlich ein reiches Betätigungsfeld und dies oftmals ungeachtet der Tatsache, dass vor noch nicht allzu langer Zeit vom gleichen Volksvertreter die Notwendigkeit eines ungehemmtes Wirtschaftswachstum mit all seinen umweltfeindlichen Auswüchsen ebenso lautstark gefordert und gerechtfertigt wurde. Alle, die nun ihre Verantwortlichkeit für die Umwelt der Gesellschaft gegenüber entdecken, sind sich letztlich darin einig, dass die Schuld für die gegenwärtige Situation beim Staat mit dessen wieder einmal fehlgeleiteter Politik zu suchen sei. In dieser Behauptung steckt sicherlich ein Gutteil Wahrheit, denkt man etwa an den Ausbau des Rhein-Main-Donau-Kanals, dessen volkswirtschaftlicher Nutzen von Fachleuten bestritten wird und trotzdem mit dem unteren Altmühltal schönste Natur sozusagen als Weihegeschenk geopfert wurde. Schuld jedoch allein dem Staat zuzuschieben ist falsch, ergibt sich doch eine Beeinträchtigung der Umwelt vielfach aus dem Zusammenwirken der Verfehlungen einzelner. Jeder Mensch, der seine Abfälle, anstatt sie ordnungsgemäß dem Müllplatz zuzuführen (1985 gab es noch sog. „Müllplätze“), dem nächsten Fließgewässer aufbürdet, ist ein, wenn auch kleines Glied einer Kette, an deren Ende eine für uns alle nicht sehr erfreuliche Zukunft in Aussicht steht.
Während die großen Umweltverschmutzer aus Industrie und Technik in ihrem Tun meist von Profitdenken geleitet sind – eine umweltfreundliche Abfallbeseitigung ist sehr kostspielig -, geht die Vielzahl der „kleineren Sünden“ auf das Konto von Bequemlichkeit und Gedankenlosigkeit. Hier täte einem jeden von uns ein wenig mehr Selbstkritik Not, die schließlich zur Erkenntnis führt, dass wirkungsvoller Schutz der Umwelt beim korrekten Verhalten des einzelnen beginnt.
Leider sind von allgemeiner Kritik auch nicht die Fischer auszunehmen, denen man öffentlich immer wieder zuerkennt, Entscheidendes für den Gewässerschutz geleistet zu haben. All das Positive, welches durch Fischer und ihr Engagement für die Gewässer erreicht wurde, ist unbestritten. Es kann jedoch nicht übersehen werden, dass durch das Verhalten einzelner die ganze Angelegenheit schnell in ein schiefes Licht geraten kann. Verlassene Angelplätze zum Beispiel sind oftmals Visitenkarten, welche dazu taugen, alles was ernsthafte und verantwortungsvolle Fischer erreicht haben, mit einem Schlage zu zerstören. Da wird beim Angeln mal schnell eine Bierflasche ins Wasser geworfen oder eine Madendose in die Erde getreten, von kleineren Abfällen wie Schnurresten und Verpackungsmaterialien gar nicht zu reden. Und weil man mit dem Auto schon bis direkt an den Angelplatz herangefahren ist, unterzieht man dieses am Ende eines schönen Angeltages gleich noch einer gründlichen Wäsche – weil das Wasser eben so nahe bei der Hand ist. Wahrscheinlich meinen die meisten, die so handeln, sie ließen sich allenfalls ein Kavaliersdelikt zuschulden kommen. Vielleicht werden sie darin durch das Wort Umweltverschmutzung keines Besseren belehrt, da es solchen Taten lediglich rein äußerlichen Charakter zuweist, ist Schmutz doch jederzeit abwaschbar oder zumindest ohne größere Probleme zu beseitigen. Engländer und Franzosen verwenden demgegenüber das Wort „pollution“ in welchem, seinem lateinischen Ursprung Inhalte wie Besudelung und Schändung mitschwingen. Die Handlung wird also nicht nur als etwas Oberflächliches gesehen, sondern sie bekommt moralischen Hintergrund.

Auszug aus: „Richtig angeln“ von Kölbing/Seifert BLV Verlagsgesellschaft

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