-BARBEN-

Starke Barben
Zu den erklärten Lieblingsfischen des Grundanglers gehört die Barbe. Erfreulicherweise haben sich die Bestände dieser ebenso schönen wie kraftvollen Fischart in den letzten 10 bis 15 Jahren in den meisten unserer großen Flüsse und Ströme infolge verbesserter Wasserqualität sehr gut erholt. Barben bevorzugen Flussstrecken mit sauberem Kiesgrund und zügiger Strömung, besonders im Sommer stehen sie gern in den am stärksten durchströmten und sauerstoffreichen Zonen mitten im Fluss. In kleineren Flüssen bevorzugen sie Wehrausflüsse, tiefe Gumpen mit sauberem Grund und tiefe Rinnen in Außenkurven, wo die Strömung auf das Ufer trifft. Auch stehen sie gern unter Bündeln von Wasserpflanzen, die in der Strömung wedeln.
Unter all diesen Voraussetzungen ist das Angeln mit dem Bodenblei die beste Methode. Für einen erfolgreichen Drill der wehrhaften Fische in der Strömung brauchen Sie eine kräftige Rute mit einer Testkurve von 1 ¼ oder 1 ½ Ibs und einer parabolischen Aktion, die bis ins Handteil hinein arbeitet. Einige Hersteller bieten solche Ruten unter der englischen Bezeichnung „Specialist“ oder „Specimen“ an. Zum Barbenangeln mit schwerem Blei an großen Strömen eignen sich mittlere Karpfenruten am besten.
Die Schnurstärke hängt von der Beschaffenheit des Gewässers ab. An großen Flüssen mit wenig Hindernissen und viel Platz zu Drillen reicht 0,20 mm aus, an kleinen Flüssen mit Krautbewuchs, unterspülten Ufern mit Baumwurzeln und ähnlichen Hindernissen muss die Schnur erheblich stärker sein. Starke Haken aus geschmiedetem Carbon-Stahl, sorgfältig angebunden, sind beim Barbenangeln Pflicht. Die Hakengröße hängt vom Köder ab: Größe 4 bis 6 für Käsepaste, 6 bis 8 für Würmer, 8 bis 10 für Madenbündel und Köcherfliegenlarven (Sprock). Die Köcherfliegenlarve gilt besonders in Süddeutschland als unschlagbarer Köder für Barben.
Anfüttern und Anbiss
Beim Barbenangeln ist eine gute Kenntnis und Beobachtung des Gewässers die wichtigste Grundlage für den Erfolg. Man kann die Barben nicht wie einen gierigen Rotaugenschwarm mit Futter von überall her nach überall hin dirigieren, sondern muss sie schon in ihren Revieren aufsuchen. Anfüttern bringt die Fische auf den Geschmack. Werfen Sie einige Ballen aus schwerem Futter ein, das trotz der Strömung direkt am Angelplatz zum Grund sinkt und dort auch längere Zeit liegenbleibt. Besonders in klaren Flüssen kommen die Barben nämlich erst in der Abenddämmerung oder bei Dunkelheit richtig in Fresslaune. Gequollene Hanfkörner in den Futterballen ziehen sie geradezu magisch an.
Bei warmen Wassertemperaturen und bei glattem Kiesgrund wird der Futterplatz mit der sog. „Abroll-Technik“ abgefischt. Wenn im Herbst das Wasser kälter wird, muss der Köder mit einem schweren Flachblei festgelegt werden. Das gleiche gilt in Gewässern mit Krautbewuchs, hier würde ein rollender Köder ja stets Hänger suchen. Der Anbiss einer Barbe kündigt sich zumeist durch ein charakteristisches Reiben und Zittern in der Schnur an: Die Barbe saugt den Köder ein und dreht ihn im Maul. Barbenangler sollten sich daher nicht allein auf die Rutenspitze als Bissanzeiger verlassen, zumal diese sich ständig durch den Einfluss der Strömung leicht bewegt, sondern gleichzeitig die Schnur mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand kontrollieren. Der Anhieb erfolgt bereits auf die ersten Anzeichen hin; falls dabei der Haken nicht fasst, wartet man beim nächsten Mal auf deutlichere Signale.
Barbendrill – ein Erlebnis
Mit ihrem muskulösen, stromlinienförmigen Körper und ihren ausgeprägten Flossen, besonders den schaufelförmigen Brustflossen und der starken Schwanzflosse, ist die Barbe ihrem Lebensraum optimal angepasst, ein echtes Kraftpaket. Nach dem Anhieb steht sie manchmal zunächst still, der Angler glaubt an einen Hänger. Nach einigen Sekunden „Bedenkzeit“ reagiert der Fisch dann auf den Zug der Schnur, marschiert stur stromauf, anschließend mit einer gewaltigen Flucht stromab, oder umgekehrt. Gern bohrt die Barbe auch mit wiederholten kurzen, harten Stößen ihren Kopf in den Grund und scheuert dabei das Vorfach so weit ab, dass sie es bei der nächsten Flucht zerreißen kann.
Da sie die verschiedenen Varianten – Flucht, Bohren und Stillstand – mit unglaublicher Ausdauer vorführt, bekommt der Angler sie nur unter Kontrolle, wenn er stets den größtmöglichen Druck auf den Fisch ausübt. Wenn der Fisch letztlich im Kescher liegt, hat er sich völlig verausgabt. Setzen Sie deshalb die Barbe nicht achtlos in die Strömung zurück, sie würde kieloben abtreiben und möglicherweise verenden. Gönnen Sie ihr eine Erholungspause im Kescher und lassen Sie den Fisch erst wieder schwimmen, wenn er seine Kräfte zurück gewonnen hat.
Quelle: BLINKER –Erfolgreich angeln- Heft 16 –FRIEDFISCHE-

 

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