Wasserpflanzen -Ihre Bedeutung für den Angler

Wasserpflanzen 

Pflanzen stellen das Bindeglied zwischen dem Mineral- und Tierreich dar, denn sie sind diejenigen Lebewesen, die befähigt sind, mittels Fotosynthese aus Mineral organische Substanz aufzubauen (autotrophe Ernährungsweise) und gleichzeitig den für tierische Organismen lebensnotwendigen Sauerstoff abzugeben. Worauf im vorliegenden Beitrag einmal etwas ausführlicher eingegangen wird, ist nicht das Verhältnis „Pflanze – Tier“ im allgemeinen, sondern die Bedeutung der Wasserpflanzen für die Fische, und zwar mit der Absicht, dem Angler ursächliche Zusammenhänge zwischen beiden Kategorien von Lebewesen aufzudecken, die Rückschlüsse auf das Angeln während seiner Betätigung am meisten interessiert, sind und bleiben immer noch die Fische, deren Gedeihen und Fortpflanzung nun einmal sehr wesentlich von der Pflanzenwelt im Gewässer geprägt werden. In diesem Zusammenhang sei  vorausgeschickt, dass in diesem Beitrag ausschließlich die höheren Wasserpflanzen im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen.

Wenden wir uns zunächst den Überwasserpflanzen zu, jener Gruppe von Pflanzen, die mit den Wurzeln im Wasser stehen, deren Hauptmasse (Blätter und Blüten) jedoch aus ihm herausragt. Zu ihnen gehören beispielsweise Schilf, Rohr, Wasser-Süßgras, See-Simse, verschiedene Seggen- und Binsenarten sowie Sumpfschachtelhalm und Pfeilkraut. Diese Pflanzen holen sich ihre Nährstoffe mit dem Wurzelwerk aus dem Gewässerboden, assimilieren Kohlensäure aus der Luft und geben Sauerstoff an die Atmosphäre ab. Sie leben also analog mit den Landpflanzen und greifen nicht fördernd in den Gewässerkreislauf ein. Zudem sind Überwasserpflanzen (auch als Gelege bezeichnet) in Form des unproduktiven Zelluloseschlammes eine wesentliche Ursache für die Seenverlandung und bringen demnach weder im lebenden noch abgestorbenen Zustand einen Gewinn für das Gewässer. Wäre es folglich nicht ratsam, für ihre Entfernung aus dem Wasser zu sorgen? Im Gegenteil! Gelegepflanzen haben einen berechtigten Platz im Gewässer und sind bedingt auch nützlich. Außer ihrer Eigenschaft, als natürliche Uferbefestiger zu wirken, bieten sie, in lockeren Beständen angeordnet, vielen Fischarten ideale Laich- und Weideplätze. Gelegepflanzen – genauer ihre unter Wasser befindlichen Teile – sind nämlich mehr oder minder reich an Aufwuchs. Er stellt eine wichtige Ernährungsbasis für Fischnährtiere dar (verschiedene Kleinkrebse, Weichtier wie, Würmer, Insekten u.a.), die sich bevorzugt an und zwischen den Pflanzenteilen aufhalten. Aufwuchs besteht vorwiegend aus Kiesel-, Blau- und Grünalgen, die mit ihren Haftvorrichtungen untergetauchte Pflanzen besiedeln. Siedeln solche Algen dagegen an toten Gegenständen (Steine, ins Wasser gefallene Äste u.a.), so spricht man von Bewuchs. Sichtbar werden uns Aufwuchs und Bewuchs als brauner oder grünlicher, schleimiger Belag, der auch angetriebene Algen sowie unterschiedliche Mengen formlosen, organischen Materials (Detrius) enthalten kann (sog. „unechter“ Aufwuchs). Seine Menge hängt einerseits von den örtlichen Bedingungen der Uferzone ab (z.B. vom Trübungsgrad des Wassers und damit von der Eindringtiefe des Lichtes), andererseits von der Art und Beschaffenheit der Pflanzen.

Die günstigsten Voraussetzungen für die Glieder der Nahrungskette: Aufwuchs (Alge) -> Wasserfloh -> Kleintierfresser (Friedfisch) -> Großtierfresser (Raubfisch) herrschen dort, wo Gelege in lichten, aufgelockerten Beständen das Ufer säumt. Dass an dieser Behauptung etwas Wahres dran ist, bestätigen die Erfahrungen versierter Stippangler, die mit feiner bis feinster Montage im und vor dem Gelege ihre Taktik mit Erfolg umsetzen. Schon im Vorfrühling überlisten sie hier in windstillen, sonnenscheinreichen Mittagsstunden die ersten Plötzen und Rotfedern, die mit allmählich steigenden Wassertemperaturen nun wieder ihre Weideplätze aufsuchen. Aber auch der Ansitzangler, der seine Pose zur fortgeschrittenen Jahreszeit gezielt zwischen Binsen und Rohrstengeln platziert, erlebt so seine Überraschungen mit dem Schuppenwild.

Auch die folgenden Betrachtungen über die zweite große Pflanzengruppe vorwiegend stehender Gewässer – die Schwimmblattpflanzen – verdeutlichen uns dem Zusammenhang zwischen Flora, Nährtierkonzentration und Standortverhalten der Fische, deren Blattoberseiten stark hydrophop (wasserabweisend) und von ledrig-wächserner Beschaffenheit sind, finden ebenfalls verschiedene Kleinlebewesen gute Lebensbedingungen und locken auf diese Weise Fische an. Es gibt wohl kaum einen Angler, der nicht das schmatzende Geräusch weidender Plötzen, Rotfedern, Schleien und Karpfen zwischen den Blättern der Schwimmblattpflanzen kennt. Dennoch wäre es falsch, anzunehmen, dass zwischen Seerosen, Mummeln, Wasserlinsen, Froschbiss und Wasserknöterich stets gute Fänge zu erwarten sind, von der Hängergefahr einmal ganz abgesehen. Wenig Erfolgschancen bestehen vor allem dort, wo die schwimmenden Pflanzen lückenlose Teppiche bilden und durch Schattenwirkung die Erwärmung und Belüftung des Wassers derart erschweren, dass Fischnährtiere sich kaum oder nur in geringer Konzentration entwickeln können. Dadurch gehen den Fischen Weideplätze verloren. Hinzu kommt die Erscheinung, dass sich im schlecht durchlüfteten Wasser unter den Blättern und an den Wurzelstöcken Fäulnisgase (Sumpfgas und auch Schwefelwasserstoff) bilden, die eine Scheuchwirkung auf die Fische ausüben. Was Wunder, wenn dann selbst das Angeln von bester Position aus völlig vertane Zeit ist, während nur wenige Meter weiter, wo die Blätterdecke größere Lücken aufweist, die Situation schon eine bessere sein kann. Aber wie so häufig beim Angeln, bestätigen auch in diesem Punkt Ausnahmen die Regel! Nebenbei gesagt stehen Schwimmblattpflanzen bei starker Vermehrung bei Gewässerbewirtschaftern nicht sehr hoch im Kurs. Obwohl ein prächtiger Schmuck unserer Seen und Teiche – Weiße Seerose und Gelbe Teichrose sind sogar gesetzlich geschützt – tragen die dicken Wurzelstöcke mancher Arten in erheblichem Maße zur Seenverlandung bei. So bleibt demnach nicht viel Gutes am „Blattzeug“, das auf dem Wasser schwimmt. Lediglich die zarten, jungen Unterwasserblätter sind von günstiger Wirkung auf die Beschaffenheit des Wassers. Indem sie assimilieren, gleichen sie hier und da vorhandenen Sauerstoff aus – ein Vorgang, der das Angeln unter bestimmten Bedingungen im Blätterteppich gelegentlich doch noch zum Erlebnis werden lässt, die Freude am häufig fabrizierten „Krautsalat“ mit inbegriffen…

Kommen wir zur dritten großen Pflanzengruppe, den Unterwasserpflanzen – vom Botaniker als submerse Flora, vom Fischer als „Kraut“ bezeichnen. Zu ihnen zählt u.a. Armleuchtergewächse, Quellmoos und Tausendblatt. Im Unterschied zu den bereits genannten, sind die Unterwasserpflanzen für den Gewässerkreislauf von großem Nutzen, sie sind produktiv im fischereilichen Sinne. Diese besondere Fähigkeit ermöglicht ihnen den strukturellen Aufbau (relativ große Oberfläche). Die meisten Unterwasserpflanzen haben keine Wurzeln, und wenn, dann dienen diese lediglich dem Halt, der leichten Verankerung der Pflanzen im Boden bzw. an anderen Gegenständen. Ihre Nahrung nehmen sie in Form gelöster Salze durch die zarte, sehr große Oberfläche auf, desgleichen das Kohlendioxid. Der bei der Fotosynthese produzierte Sauerstoff wird ins Wasser abgegeben und schafft günstige Voraussetzungen für die Entwicklung organischen Lebens im Gewässer. Sämtliche Vertreter der Unterwasserflora bieten Fischnährtieren ideale Lebensbedingungen. So kommt es, dass es zwischen dem zartgegliederten Blattgewirr an Schnecken, Muscheln, Gliederfüßlern, Kleinkrebsen, Insektenlarven, Glieder- und Rundwürmern sowie anderen tierischen Kleinorganismen buchstäblich nur so wimmelt.

Quelle: Z.T. Deutscher Angelsport Juli 1984 –Ausgabe 7 –

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