Die „Death-Slide-Montage“ – 1987 –

Die „Death-Slide Montage“ –von Andy Little- 1987

Ich denke, jedes Gewässer in dem ich bis jetzt gefischt habe, hat eine dieser problematischen Stellen. Die Karpfen scheinen ein Gebiet zu finden, wo man fast unmöglich hinwerfen kann. Dort verbringen sie dann eine ganze Zeit. Ich denke nicht, dass diese speziellen Stellen Futterplätze sind. Ich denke vielmehr, dass es sich dabei um Aufenthaltsorte handelt, wo die Karpfen etwas Frieden und Ruhe vom Einschlag der Bleie und Köder finden, die jeden Tag in den See fliegen. Meine spezielle Stelle, die „Busch-Stelle“ ist da keine Ausnahme. Zwei große überhängende Bäume reichen dort teilweise mit ihren Ästen bis ins Wasser. Die Fische scheinen sich in diesem Gebiet mehrmals am Tag aufzuhalten. Das Werfen dorthin ist zu jeder Tageszeit fast die Hölle. Bei Tageslicht ist es zwar nicht ganz so schlimm, weil man sehen kann, wohin man wirft, aber, wie Sie sich denken können, ist es in der Nacht nahezu unmöglich, dort einen Köder hinein zu bekommen. Man hat kaum einen halben Meter Platz zwischen en überhängenden Zweigen, wo der Köder, mit einer reellen Chance auch genommen zu werden, ausgeworfen werden kann. Ich habe wirklich alles versucht, die Karpfen außerhalb dieser Sträucher zum Fressen zu bewegen. Bis jetzt aber ohne Erfolg. Ich habe versucht, massiv mit Partikeln anzufüttern. Aber diese wurden von den Karpfen völlig außeracht gelassen. Sie neigen dazu, in dieses Gebiet mit großer Geschwindigkeit zu schwimmen, ohne dabei für die Aufnahme eines Köders anzuhalten. Wenn sie dort wieder herauskommen, scheinen sie diese widerstehenden Fische unter einer großen Glocke aus Bäumen zu sein. Im Winter lässt sich dieses Gebiet etwas leichter anwerfen, weil dann weniger Laub an den Bäumen ist. Das Größte Problem ist, dass die Fische zu dieser Jahreszeit nur nach Einbruch der Dunkelheit zu fressen scheinen. Sehr häufig kommt es vor, dass ein Wurf dorthin noch vor Dunkelheit gelungen ist, man im Dunkeln einen Biss bekommt, aber das war´s dann auch. Man kann den Köder nicht wieder auswerfen. Eine wirklich frustrierende Situation! Zu dieser Zeit war ich gerade Beitragender zu dem Rundlaufheft der B.C.S.G. (British Carp Study Group). Ich hielt dies für ein gutes Thema um es an andere Mitglieder, die ebenfalls Beiträge leisteten, weiterzuleiten.

Das Glück wollte es, dass mein guter Freund Brian Mills als nächster das Heft bekam und ein paar Tage nachdem ich das Heft weggeschickt hatte, stand er bei mir vor der Tür. Das war wirklich nett von ihm. Normalerweise sollte ich das Buch für einige Wochen nicht wiedersehen, bevor es die Runde unter den anderen Mitgliedern gemacht hat. Danach hätte ich bestimmt schon lange auf eine gute „Sitzung“ an der beschriebenen Stelle gewartet. Brian erklärte einige Tricks, die ihn in ähnlicher Situation aus den Schwierigkeiten gebracht hatten. Er gab seiner Montage den Namen die „Death-Slide-Montage“. Sein Trick war, eine Brandungsrute mit dicker Schnur und einem 120g Krallen-Seeblei zu versehen. Dieses Blei wird etwas weiter als die Stelle ausgeworfen, an der man später zu fischen beabsichtigt. Anschließend wird die Brandungsrute so postiert, dass die Schnur in direkter Verbindung zum Blei steht. Die Spitze der Rute ragt dabei steil etwa 1,80 m  über die Wasseroberfläche. Seine Endmontage befestigt er mit einem Stückchen 20 A Sicherungsdraht, das vorher zu einer U-Form gebogen wird. Dieser U-Draht wird am Wirbel des Bleies eingehängt. Anschließend wird der Draht auf der Schnur bis in die Nähe der Rutenspitze gezogen. Danach lässt man die Montage wie eine Seilbahn ist Wasser gleiten. An der richtigen Stelle wird sie ausgehakt. Wenn man dies bei Tageslicht ausprobiert hat, hilft eine Markierung auf der Schnur, auch in der Nacht die richtige Position zu finden. Was für eine großartige Idee! Ich dachte, dies wäre die Lösung. An diesem Wochenende war ich verständlicherweise sehr aufgeregt. Ich konnte es nicht erwarten, an meine „Busch-Stelle“ zu gehen, um die Montage auszuprobieren. So kam ich voller Enthusiasmus, mit meiner geheimen „Waffe“ bestückt, am See an. Nach etwa einem halben Dutzend Würfen brachte ich es fertig, die Brandungsrutenmontage in die richtige Position zu bekommen. Bis jetzt lief alles wie geplant und die Montage glitt wunderbar nach unten. Die Schnur hakte an der richtigen Stelle aus – absolute Magie! Ich markierte die Schnur mit Nagellack, so dass ich die Montage auch in der Dunkelheit exakt an dieselbe Stelle bekommen konnte. Ein paar Stunden nach Einbruch der Dunkelheit war ich jedoch schon wieder zu Hause. Während ich tatsächlich mit meinem ersten Fisch gekämpft hatte, dachte ich, es könnte wirklich gelingen. Doch dann passierte es: Vielleicht hätte ich merken sollen, dass alles zu glatt lief. Der gehakte Karpfen schwamm geradewegs um die Brandungsmontage herum und verwickelte die gesamte Montage im Baum. Das war dann das Ende dieser Nacht. Etwas mehr als nur niedergeschlagen fuhr ich wieder nach Hause.

Ich dachte, dass ich wohl auf dem richtigen Weg bin, aber ich hätte noch einige Veränderungen zu tätigen, bevor die Sache perfekt funktioniert. Als ich zu Hause ankam, hatte ich für die Antwort bereits eine genaue Vorstellung. Anstatt das schwere Blei ins Wasser zu werfen, war es leicht, einfach in die Büsche über und hinter meiner Angelstelle zu werfen. Von der Brandungsrute hing so keine Schnur mehr ins Wasser. Die Ködermontage konnte sich dann unmöglich wieder dort verwickeln. Bei Tageslicht hätte ich meine Idee natürlich sofort ausprobiert. So war ich erst einige Tage später zurück, um der „Death –Slide-Montage“ eine neue Möglichkeit zu geben. Diesmal nannte ich sie die „Mark-2-Version“. Woran ich nicht gedacht hatte, war das Problem, das Seeblei wieder aus den entfernten Büschen herauszubekommen. Wenn dies eine Ködermontage mit Haken gewesen wäre, hätte ich sicher nur jeweils einen Wurf machen können.

Schließlich bekam ich es aber doch noch irgendwie hin. Als meine Montage etwa einen halben Meter über dem Wasser hing, entdeckte ich ein neues unvorhersehbares Problem. Vorher, als das Blei an der Stelle direkt im Wasser lag, verlief die Schnur in einem weitaus größeren Winkel zur Brandungsrutenspitze. Jetzt, wo das Blei über der Wasseroberfläche eingeworfen wird, verringert dies den Winkel, und die Montage gleitet nicht so gut ins Wasser. Leicht möchte man sagen, halten Sie die Rutenspitze doch einfach etwas höher. Das ist wirklich eine gute Idee; aber ich würde eine Leiter benötigen um zu erreichen, dass meine Montage auf der Schnur wieder bis ins Wasser gleitet. Also noch eine Veränderung:

Ich knotete an einige Stücke Schnur von knapp 60 cm an das eine Ende einen Split-Ring, an das andere Ende eine Schlaufe. Dort befestigte ich jetzt den Draht. Dies war die Lösung, die perfekt arbeitete. Nach den früheren Problemen konnte ich kaum glauben, wie einfach die „Death-Slide-Montage“ letztendlich funktionierte. Ich war sogar soweit, dass die Montage bei mir bald nicht mehr nur noch in der Nacht Anwendung fand. Ich benutzte diese Zusammenstellung auch am Tage. Es war so ein ganzes Stück leichter, den Köder an die richtige Stelle zu bekommen.

So wurde Brian´s Entdeckung schließlich zum Trumpf in dieser Situation. Aber, wie gewöhnlich, bleibt alles nicht so wie es ist. Nach etwa 10 „Sitzungen“ und einigen Karpfen entschlossen die Fische sich, diesen speziellen Busch in Zukunft zu meiden, um ein neues Versteck zu suchen.

Aber, das ist ein neues Problem für einen neuen Tag…

Dieser Beitrag wurde unter Berichte seit 1986-Wie fing es an?- veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar