Karpfenangeln in Baggerseen -1984-

Karpfenangeln in Baggerseen -1984-

Wie dachte man 1984, also vor genau 30 Jahren, über das Karpfenangeln in Baggerseen?

… Fische sind wechselwarme Tiere, die ihre Aktivitäten erst mit zunehmender Erwärmung im Frühjahr entfalten. Karpfen lieben die Wärme ganz besonders, da sie ja ursprünglich aus Südeuropa stammen. Sie halten sich deshalb in der Hauptangelsaison im Sommer vorzugsweise in den Flachwasserzonen und auch in der unmittelbaren Uferregion auf, an dem für Baggerseen typischen Steilufer. Kühlere Temperaturschichten meiden die Karpfen im Sommer beharrlich. Auf Karpfen-fischende Petrijünger sollten vor allem die zum Angeln freigegebenen Flachzonen und die mit einem schmalen Krautgürtel bestandenen Steilufer in Augenschein nehmen. Ausschließlich hier suchen die Fische ihre natürliche Nahrung. In Gewässern, aus denen noch Kies entnommen wird, sollten auch Pumpwasserleitungen nicht übersehen werden, denn wie Brassen und Schleien werden Karpfen vom getrübten Wasser magisch angezogen. Bei Pumpleitungen wird Wasser aus dem See gepumpt und zum Waschen des auf einem Sieb lagernden Kieses gebraucht. Das abfließende Wasser mit dem feinen Schwemmsand gelangt zurück in den See. Wenn am Ostufer des Gewässers Erdboden oder erdhaltiger Schutt abgekippt worden ist, und es bläst ein kräftiger Westwind, so dass das Wasser in Ufernähe durch Wellenschlag stark trübe wird, darf der Angler auf einen guten Karpfen hoffen.

Nochmals: Ziehen im Winter atlantische Tiefausläufer mit heftigen westlichen Stürmen und verhältnismäßig warmen Temperaturen heran, wird das Wasser eines Baggersees zumindest bis zu 6m Tiefe infolge der beginnenden Zirkulation (Windrichtung = Gegenströmung) aufgewühlt. Die im Herbst eingesetzten Fische sowie solche, die in der letzten Angelsaison übriggeblieben sind, erwachen aus der Winterruhe und suchen, da sie Hunger verspüren, nach Nahrung. Davon gibt es im Winter aber nur sehr wenig.

Die eigentliche Karpfensaison beginnt jedoch erst im späten Frühjahr. Anfang Mai lohnt es sich schon, speziell Karpfen zu angeln. Die Hauptangelzeit reicht bis Ende September. Richtig beißlustig werden Karpfen aber erst ab etwa 16 °C. Obwohl nun, wie jeder erfahrene Baggerseeangler weiß, besonders die gerade eingesetzten Karpfen auf die feine Rotaugen- und Brassenstippangeln beißen, ist es jedoch angebracht, beim gezielten Angeln auf Karpfen stärkeres und verlässlicheres Gerät zu benutzen, um auch mit größeren Exemplaren, die in älteren Baggerseen durchaus vorhanden sind, fertig zu werden. Und da sich schon ein Karpfen von 1 ½ kg ganz schön wehrt, zumindest für einen Anfänger, sollte der Angler bei der Wahl der Schnurstärke nicht unter 0,20mm heruntergehen. Experten unter den Karpfenfischern verwenden keine Schnüre unter 0,30mm. Unter „kapital“ sind Karpfen von über 7 ½ kg Stückgewicht zu verstehen, und diese sind in stark beangelten Kiesgruben so etwas wie ein Lotteriegewinn. Die allermeisten der eingesetzten Karpfen werden von den Anglern innerhalb einer Fangsaison wiedergefangen. Die wenigen, die übrigbleiben, erreichen im nächsten Jahr vielleicht 500g Zuwachs und werden nun meist ebenfalls heraus gefangen. Der Prozentsatz von Stückgewichten über 5 kg bleibt also in einer stark beangelten Kiesgrube äußerst gering. Die nicht gerade hohe Ertragsfähigkeit eines Baggersees tut ein Übriges, um die Karpfen nicht allzu große werden zu lassen, bevor sie irgendwann an die Angel gehen. Ein paar Fische schaffen es jedoch immer, lange Jahre nicht auf einen Köder hereinfallen, und besonders in den eutrophierten älteren Gewässern erreichen sie nach langer Zeit respektable Gewichte. So wurde 1976 ein solches Exemplar von 24 ½ kg aus einem alten Baggersee bei Köln erbeutet.

Darüber hinaus die meisten Kiesgruben klares Wasser, worin eine dickere Schnur mehr auffällt als eine dünnere. Das macht sich nicht nur bei den Rotaugen und Brassen, sondern auch bei den Karpfen bemerkbar, obwohl es ja heißt, dass Cyprinus carpio nicht gerade schnurempfindlich sein soll.

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