„Dickköpfe“ (nein, hier sind keine Döbel gemeint!)

Von Rainer Appel –mainkarpfen.de-

So mancher „Dickkopf“ hockt am Main (oder anderem Gewässer) und bemüht sich Fische zu fangen (und auf die nächste Rentenerhöhung zu warten). Umringt von Blech-Madendosen, antiken Wurmbehältern – oft steht da noch „Handelsgold, 11-Pfennig“ drauf- und einigen Bierfläschchen, sitzt der Dickkopf schweigend auf seinem Klappstühlchen und beobachtet gespannt die Glöckchen an seinen Teleskopruten, die meist auf einer Rutenauflage mit buntem Plastikoberteil „ruhen“. Ich glaube diese Art „Dickköpfe“ am Gewässer kennen die meisten von uns, oder? Diese am Wasser ergraute Gattung Angler, deren Eheweib zu Hause schon mit der Pfanne auf die Lieferung der gefangenen Fische wartet, erkennt der aufmerksame Beobachter aber schon vorher, also ohne selbst am Wasser zu sein. Einfach mal die Autos rund ums Gewässer, bzw. auf dem Parkplatz an gut zu erreichenden Angelplätzen -oder von anderen Anglern angefütterten Stellen- beachten. Steht dort entweder ein alter VW Passat-Kombi oder ein silberner Opel Astra Stufenheck mit uralten „Jenzi-Aufklebern“ (die mit der Forelle)? Dann kann man schon einmal zu 90 % sicher sein, dass der „Dickkopf“ bereits sein anglerisches Schweigegelübte am Wasser erfüllt.

Natürlich sind nicht alle Passat-, oder Astra-Fahrer solche Dickköpfe!!  

Selbst ein freundliches „Guten Tag“, oder „Petri Heil“ wird schweigend ignoriert und der meist leicht nach Käseködern aus längst vergangenen Ansitzen riechende Dickkopf, starrt auf seine knochenharten Teleskopruten mit klebrigen Stationärrollen, die mit mindestens 35er monofiler Schnur anno 1964 bespult sind. Ein grüner Klappkescher auf der linken Seite, in den höchstens eine Brachse von 2 Pfund reinpasst und dessen weite Maschen teilweise mehr oder weniger kunstfertig mit Angelschnur vom Meister persönlich geflickt wurden, liegt oft neben dem „Dickkopf“ und markiert so dessen Revier links,  während ein klappriger Gerätekasten auf der rechten Seite den Ort des Geschehens absteckt. Sehr selten wird der freundliche Besucher ein verhaltenes Grunzen unter dem ranzigen Filzhut, verziert mit Ansteckern von irgendwelchen Angelvereinen, die es schon lange nicht mehr gibt, hören. Sollte sich der Dickkopf tatsächlich herablassen, sein mittlerweile steifes Genick zu bewegen und seinen Kopf drehen, dann blickt man meist in ausdruckslose Augen, die sich hinter einer Hornbrille verstecken. Jede weitere Äußerung sollte sich der Besucher verkneifen und mit einem verhaltenen „na dann noch viel Spaß“ zügig das Weite suchen.

Zum Glück werden diese „Dickköpfe“ am Wasser immer seltener!

Übrigens darf ich sowas schreiben, da ich mittlerweile Mitte 50 bin und mir bald einen Filzhut zulegen kann (werde ich aber nicht, und einen Astra Stufenheck kommt mir auch nicht ins Haus!) J

      

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