Die wichtigsten Karpfen-Krankheiten

„Die wichtigsten Karpfen-Krankheiten“

Aus: „BLINKER“ – Sonderheft (80er Jahre)

Karpfenlaus

Bisweilen ist zu beobachten, dass in gut mit Karpfen besetzten Baggersee oder in Teichen die Karpfen hoch aus dem Wasser springen. Wird dies regelmäßig und unnatürlich oft beobachtet, empfiehlt es sich, einen der unruhigen Fische zu fangen und näher zu betrachten. Ständiges Springen und Wetzen an Steinen oder Wasserpflanzen ist meist kein Zeichen von Wohlbehagen, sondern wird durch die schmerzhaften Bisse eines kleinen Parasiten, der Karpfenlaus (Argulus), verursacht. Die Fische versuchen, die Schmarotzer abzuschütteln. Die bis 5mm großen, flachen, grünlich-gelben Karpfenläuse sitzen bevorzugt an den Ansatzstellen der Flossen. Mit ihrem Stechrüssel durchbohren sie die Fischhaut und leben vom Blut ihres Wirtes. Die nadelfeinen, schmerzhaften Stiche führen zur Beunruhigung der Fische, zum Springen und Scheuern.

Fischegel   

Der zweite häufige, gut sichtbare Außenparasit ist der Fischegel (Piscicola geometra). Seine Länge schwankt zwischen 2 und 4 cm. Mit seinen beiden Saugnäpfen, von denen der größere die Mundöffnung enthält, heftet er sich an den Fischkörper. Nach Einstich seines Saugrüssels lebt er vom Blut des Wirtes. Sind die Egel vollgesaugt, fallen sie vom Fisch ab. Bevorzugter Anheftungsort sind die Flossenansätze sowie besonders bei Karpfen und Schleien der Kopf, das Maul, Rachen und Kiemen. Egelbefall beunruhigt die Fische. Die Stichverletzungen und der Blutverlust führen zu Schäden. Die beschriebenen Parasiten gelten als Überträger ansteckender Fischkrankheiten. In Teichwirtschaften, auch in kleineren Baggerseen, ist medikamentöse Bekämpfung der Parasiten möglich und sollte unter der Anleitung eines Fachmannes durchgeführt werden. Die wirksamsten Bekämpfungsmittel sind ohnehin rezeptpflichtig, so dass ein Tierarzt eingeschaltet werden muss. Besonders in Baggerseen muss überprüft werden, ob keine Gefährdung z.B. des Trinkwassers möglich ist.

Grieskörnchenkrankheit

Die Haut und die Kiemen erkrankter Fische sind mit weißen Pünktchen übersäht. Verwechslung mit Laichausschlag mancher Fischarten ist möglich, kann aber folgendermaßen unterschieden werden: Laichausschlag ist hart und nicht abwischbar, die Grieskörnchen des erkrankten Fisches können leicht entfernt werden. Die Parasiten treten vor allem bei dicht stehenden Fischen auf, in Hältern oder Winterteichen, auch in Aquarien.

Trichodina

Der mikroskopisch kleine Parasit befällt Haut und Kiemen. Er heftet sich mit einem dichten Hakenkranz am Wirt fest. Befall wird vor allem bei dichtem Fischbestand beobachtet. Trichodinabefall ist mit freiem Auge allenfalls als grauer Film auf der Schleimhaut sowie den Kiemen zu erahnen. Genaue Diagnose nur über Mikroskop.

Chilodonella

Fische mir weißlich – bläulicher Trübung der Haut sind häufig vom Parasit „chilodonella“ befallen. Er kann bei ca. 100facher Vergrößerung mit dem Mikroskop gefunden werden. Chilodonella schmarotzt auf Kiemen und Haut. Bei starkem Befall, vor allem auf den Kiemen, verläuft die Krankheit tödlich. Einige einzellige Außenparasiten sind auf jedem Fisch zu finden. Massenauftreten deutet auf allgemeinen Schwächezustand oder unsachgemäße Haltung, besonders in der Hälterung. Die Parasiten sind meist im Winterteich, im engen Hälterbecken oder an anderweitig erkrankten bzw. verletzten Fischen zu beobachten.

In Teichen ist medikamentöse Behandlung möglich. Sie sollte durch gute Fütterung und verbesserte Teichhygiene unterstützt werden.

Befall mit Saprolegniaceen („Fischschimmel“)

Eine der häufigsten und leicht erkennbaren Fischkrankheiten ist der Befall mit Pilzen der Gattung Saprolegnia. Jeder, der sich mit Fischen beschäftigt, kennt die weißlich – grauen wattebauschartigen Verpilzungen.  

Diese Pilze können nur auf bereits anderweitig geschwächten Fischen parasitieren. Es werden bevorzugt Tiere befallen, deren Schleimschicht bzw. Oberhaut durch mechanische Einwirkungen, durch Abwässerschäden oder Infektionskrankheiten usw. zerstört wurde. Vor allem wegen dieser Verpilzungsgefahr sind gefangene Fische, die zurückgesetzt werden sollen, sorgsam zu behandeln. Zur Schonung der empfindlichen Schleimschicht dürfen Fische vor allem nicht mit trockenen Händen angefasst werden. Verpilzungen werden auch nach längeren Transporten, Hälterungen oder ähnlichen Stresssituationen beobachtet und können zu Fischverlusten führen.

Kiemenfäule

Vorwiegend Karpfen und Schleien, gelegentlich auch Hechte, werden vor allem in den heißen Sommermonaten von den Pilzen der Gattung „Branchiomyces“ befallen, den Erregern der „Kiemenfäule“. Erstes Anzeichen der Kiemenerkrankung ist Atemnot (Luftschnappen). Bei näherer Untersuchung der Fische zeigt, dass die Krankheit mit Kiemenschwellung und –blutung beginnt. Später sind die äußeren Verpilzungen an den Kiemen als grünlichbraune Verfärbungen erkennbar. Im weiteren Krankheitsverlauf kommt es zu schweren Zerstörungen der Kiemenepithelien. Bei ungünstigen Wasserverhältnissen, starker organischer Verunreinigung, hohen pH-Werten, kann Kiemenfäule in wenigen Tagen zu erheblichen Verlusten führen. Im allgemeinen werden die ein- bis zweisömmrigen Fische am stärksten befallen. Ist die Krankheit erkannt, muss rasch gehandelt werden. Folgende Bekämpfungsmaßnahmen sind zu empfehlen:

a)     Soweit möglich: Frischwasserzufluss erhöhen, um eine Verdünnung der organischen Verunreinigung und ein Absinken des pH-Wertes zu erzielen.

b)    Bei gefährdeten Teichen: Vorbeugend alle 2 – 4 Wochen ca. 3 dz/ha feingemahlenen Branntkalk. Im akuten Fall die gleiche Menge. (Der pH-Wert sollte nicht für längere Zeit über 9 liegen).

c)     Kupfersulfat im akuten Fall 8 -15 kg/ha bei 1m Wassertiefe (für Hechte giftig!). Vor einer etwaigen Behandlung sollte in jedem Falle ein Fachmann gehört werden.

d)    Besonders gründliche Desinfektion und Trockenlegung des Bodens gefährdeter Teiche, sonst ist wahrscheinlich, dass die Krankheit im folgenden Jahr wieder ausbricht.

e)     Verendete Fische sind unschädlich zu entfernen (Tierkörperverwertung), um eine weitere Krankheitsverschleppung zu vermeiden.

Bauchwassersucht bei Karpfen

Schon lange bekannt und weit verbreitet ist die Bauchwassersucht der Karpfen. Bislang wurden, ähnlich wie bei der Furunkulose 2 Verlaufsformen unterschieden:  

1)    Die typische oder akute Bauchwassersucht.

2)    Die Geschwürform oder chronische Bauchwassersucht.

Während früher für beide Krankheitsformen Bakterien als Verursacher angenommen wurden, sprechen neuere Erkenntnisse dafür, dass nur die Geschwürform bakteriell bedingt ist. Als Erreger der akuten Bauchwassersucht gelten demnach Viren. Häufig treten beide Krankheiten als Mischinfektion auf. Im Rahmen dieses Artikels soll vorab die „bakterielle Geschwürform“ behandelt werden. Das Symptombild ist allgemein bekannt. Der erkrankte Karpfen zeigt auf der Haut Entzündungen und blutige Geschwüre, die bis tief in die Muskulatur reichen können. Zu Flüssigkeitssammlungen in der Leibeshöhle kommt es nicht.

Die Krankheit, die heute als Erythrodermatitis bezeichnet wird, führt zu hohen Verlusten im Karpfenteich.

Als Bekämpfungsmaßnahmen haben sich neben allgemeiner Hygiene bewährt:

1)    Vorbeugende Antibiotikabehandlung vor dem Aussetzen in die Sommerteiche (Injektionen).

2)    Solange die erkrankten Karpfen Futter aufnehmen, kann Medizinalfutter mit gutem Erfolg verabreicht werden (Tierarzt).

3)    Auf ausreichende Vitamingehalte der Futtermittel, vor allem auf Vitamin A, ist zu achten. Wegen der begrenzten Haltbarkeit der Vitaminkomponenten ist auf striktes Einhalten der Lagerzeiten von Futtermitteln zu achten.

Verheilen die Geschwüre, bleiben Narben, die sich als dunkle Flecken von den normalen Hautpartien deutlich abheben.

Verendete Fische sind einzusammeln und unschädlich zu beseitigen.

Frühjahrsvirämie (Akute Bauchwassersucht)

Heute vertreten namhafte Wissenschaftler die Meinung, dass die früher als „Akute Bauchwassersucht“ bezeichnete Karpfenkrankheit durch ein Virus verursacht wird. Folgendes Krankheitsbild charakterisiert die „Frühjahrsvirämie“: Starke, beidseitige Glotzaugen, Afterentzündung, aufgetriebener Bauch. Wird die Bauchhöhle geöffnet, ergießen sich mehrere Kubikzentimeter einer bräunlichen, typisch süßlich riechenden Flüssigkeit, Ursache für den Begriff „Bauchwassersucht“. Der gesamte Wasserhaushalt des Körpers scheint gestört. Die Organe sind von „wässriger Konsistenz“. Behandlung und Vorbeugung wie bei der anschließend beschriebenen Schwimmblasenentzündung.

Schwimmblasenentzündung (SBE)

Zum Krankheitskomplex „Bauchwassersucht“ mit viraler Ursache gehört auch die „Schwimmblasenentzündung“ der Karpfen. Hauptmerkmal ist eine entzündliche Rötung der vorderen Schwimmblasenkammer. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu gallertartigen Belägen auf der Schwimmblase, die sich zunehmend mit blutschleimiger Flüssigkeit füllt. Die Schwimmblase verliert ihre wichtige Ausgleichsfunktion, der erkrankte Fisch schwimmt seitlich, mit gekrümmtem Körper, in kreisenden Bewegungen. Stark erkrankte Fische stehen kopf und bewegen ihre Schwanzflosse kurz unterhalb der Gewässeroberfläche. Die Karpfen haben Mühe, tieferes Wasser zu erreichen. Es kommt zu Verlusten.

Bei „Frühjahrsvirämie“ und „Schwimmblasenentzündung“ sind medikamentöse Behandlungen nicht bekannt, da es sich um Virusinfektionen handelt. Trotzdem wird immer wieder, besonders bei „SBE“, von Heilerfolgen nach Antibiotikaeinsatz berichtet. Ursache hierfür ist, dass die obengenannten Krankheiten häufig als Mischinfektionen auftreten. Neben einer „Virusinvasion“ kann auch ein zusätzlicher Befall mit bakteriellen Erregern vorliegen, der den Krankheitsverlauf erschwert und die Verlustrate erhöht. Durch gezielten Arzneimitteleinsatz können dieser zusätzlichen Bakterienbefall und die Verluste  verringert werden. Schwimmblasenentzündung und Frühjahrsvirämie verursachen hohe wirtschaftliche Einbußen. Neben direktem Fischverlust wachsen erkrankte Karpfen schlecht ab, es kommt zu Missbildungen und Kümmerformen. Da keine Medikamente bekannt sind, bleiben nur die folgenden vorbeugenden Maßnahmen:

a)     Vor dem Überwintern sowie zum Zeitpunkt des Aussetzens in die Sommerteiche soll man sich vom Gesundheitszustand der Fische überzeugen.

b)    Zur Bekämpfung von bakteriellen Begleitinformationen sind gegebenenfalls Antibiotikabehandlungen empfehlenswert. Vorhandene Parasiten, als Krankheitsüberträger gefürchtet, sollten ebenfalls jetzt behandelt  werden, um ihre Ausbreitung im Sommerteich zu verhindern.

c)     Zugekaufte Fische sollten nach Möglichkeit 14 Tage in Quarantäne gehalten werden. Akut erkrankte oder verendete Fische sind abzulesen und unschädlich zu beseitigen (Tierkörperverwertung).

Karpfenpocken

Nicht selten sind nach Karpfenabfischung einige Tiere zu finden, die gallertmilchige dicke Beläge und auf der Haut und Flossen zeigen. Die Gräten sind weich, die Fische auffallend biegsam. Diese als Pocken bezeichnete Viruserkrankung führt selten zu direkten Verlusten, doch wachsen erkrankte Fische schlecht ab. Karpfenpocken haben kaum wirtschaftliche Bedeutung, meistens heilen die Fische, vor allem nach Umsetzen in andere Teiche, von selbst aus. Um eine Verwechslung mit Hauttrübern oder Verpilzungen zu vermeiden, folgender Tipp: Parasiten und Pilze lassen sich mit dem Finger abwischen, die Pockenbeläge dagegen nicht.

Viruskrankheiten widersetzen sich i.a. jeglicher medikamentöser Behandlung. Zu ihrer Bekämpfung werden in der Regel zwei Wege beschritten:

1)    Es werden virusresistente Tiere (oder Pflanzen) gezüchtet.

2)    Durch Schutzimpfung werden die körpereigenen Abwehrreaktionen gefördert.

Resistenzzüchtungen bei Fischen verliefen bislang wenig erfolgreich. Die Beobachtung, dass überlebende Fische aus VHS-durchseuchten Forellenbeständen gegenüber weiterer Ansteckungen immun sind, hat die Wissenschaft zu verstärkter Forschung auf dem Gebiet der Schutzimpfung veranlasst. Erste Impfungserfolge gegen VHS wurden im letzten Jahr aus Frankreich gemeldet. Es wurden etwa 75% Schutz erreicht. Diese Anfangserfolge geben zu der Hoffnung Anlass, dass in den nächsten Jahren die Virusseuchen unserer Süßwasserfische an Schrecken verlieren.

Kiemennekrose (KN)

Ähnlich wie die „Kiemenfäule“ kann die Kiemennekrose in Karpfenbeständen starke Verluste hervorrufen. Eine Verwechslung der beiden Krankheiten nach dem äußeren Erscheinungsbild ist möglich, doch fehlen bei der KN die für die Kiemenfäule typischen Verpilzungen.

a)     Krankheitsverlauf, Symptome:  Das erste Merkmal einer beginnenden KN ist in der Regel eine ausgeprägte Kiemenschwellung. Die Kiemen werden schleimig, es treten Blutungen auf. Im fortgeschrittenen Stadium stirbt das Kiemengewebe ab. Die Fischer verfärben sich häufig dunkel (marmoriert), es kommt zu Krämpfen, der Augendrehreflex ist gestört. Überstehen die Fische die Erkrankung, wird das zerstörte Kiemengewebe abgestoßen, die Kiemen regenerieren.

b)    Krankheitsursache: Die Ursachen der KN, die erst in den letzten Jahren verstärkt bei uns aufgetreten ist, sind noch nicht geklärt. Viren, Bakterien oder Parasiten werden von den verschiedenen Forschern als Ursache angenommen. Neuere Untersuchungen, vor allem aus der DDR, wollen beweisen, dass die KN keine Infektionskrankheit ist. Sie vermuten vielmehr, dass hier eine Folgeerscheinung überhöhter Produktionszahlen in der Teichwirtschaft vorliegt. Starke Düngung, hohe Besatzwerte und kenzentrierte  Fütterung beeinflussen demnach die Wasserqualität (pH-Wert und Ammoniakgehalt) derart ungünstig, dass es zu Schädigungen der Kiemen führt. Seuchenartiges Fischsterben durch KN bricht aus.

c)     Behandlung: Obwohl keine direkte Ursache feststeht, kann bei Ausbruch der KN mit guten Heilerfolgen gerechnet werden: Soweit möglich sollte der Frischwasserzulauf erhöht werden. Außerdem sind 10 kg/ha Chlorkalk auszubringen.

Dr. Peter Wondrak

  

  

 

  

     

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